Aktien für mehr Leistung

15. November 2001, 11:44
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In immer mehr Unternehmen sind Optionsprogramme Bestandteil des Gehalts

Nicht nur im IT-Bereich wird es für Unternehmen immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. In der High-Tech-Branche sind Top-Talente rar - und Aktienoptionen ein beliebtes Mittel, um sie zu gewinnen, zu motivieren und längerfristig ans Unternehmen zu binden.

Besonders leistungsorientierte Hochschulabsolventen fliegen auf Optionsmodelle: "Ein bürokratischer Apparat, in dem ich mir wie in einer Behörde ausrechnen kann, wann ich was verdiene, interessiert High Potentials nicht," sagt Dirk Ewert, Berater bei der Kienbaum Vergütungsberatung in Gummersbach. Moderne Gehaltssysteme hingegen ermöglichen es Unternehmen, Potenziale frühzeitig zu erkennen und dadurch an ihren Arbeitgeber zu binden. Zusätzlich verbinde das spekulative Element von Stock Options "Attraction" mit "Retention".

Erfolgsbeteiligungen bewirken Mitarbeiter, die wie Unternehmer denken. Die Bereitschaft der Mitarbeiter, Risiko mitzutragen und der Unternehmen, es auch zuzulassen, entscheidet vor allem in der New Economy über Erfolg und Misserfolg von Projekten. Mitarbeiterbeteiligungen stellten daher einen kritischen Erfolgsfaktor für die Entwicklung der Unternehmensidee dar.

Talentoptionen

In den USA sind Aktienoptionen weit verbreitet und der Hauptgrund, warum US-Manager ein Vielfaches ihrer österreichischen Kollegen verdienen. "Die Frage, wie man die Stock Options bewertet, darf jedoch nicht außer acht gelassen", merkt Georg Serentschy von der Unternehmensberatung Arthur D. Little kritisch dazu an, außerdem habe Europa im letzen halben Jahr wesentlich aufgeholt. In den USA sind Aktienoptionen weit verbreitet und Grund für den Mehrverdienst von US-Managern.

Die zunehmende Zahl von Börsegängen und die rasante Entwicklung der New Economy hätten dazu geführt, dass im letzten Jahr auch hierzulande mehr Mitarbeiterbeteiligungen realisiert wurden, als in den acht Jahren davor: Etwa 45 Prozent der Führungskräfte seien derzeit erfolgsbeteiligt, Vergütungen auf Basis Leistungsbeurteilung erhielten in etwa 37 Prozent, Tendenz stark steigend. Gerade unter Führungskräften sei die Akzeptanz für wertorientierte Vergütung sehr hoch.

Kein modernes Unternehmen käme mehr an Mitarbeiterbeteiligungen vorbei, ist Serentschy überzeugt. Unabhängig von Branche oder Größe eines Unternehmens handle es sich um einen wesentlichen Motivationsfaktor für Mitarbeiter. Viele Beteiligungsmodelle beschränkten sich noch auf Vorstände und Führungskräfte, in letzter Zeit jedoch kämen auch vermehrt Mitarbeiter unterhalb der Führungsriege in den Genuss von Stock Options.

Vor allem Internet-Unternehmen lassen häufig alle Mitarbeiter am Unternehmenserfolg teilhaben. Aus der Not geboren - wegen des Kapitalmangels konnten viele Gründer zunächst keine hohen Grundgehälter zahlen - gelten Aktienoptionen in den am Wachstumsmarkt Nemax 50 gelisteten Unternehmen heute als selbstverständlich.

Nach Kurseinbrüchen bei den Start-ups hat sich für viele der Traum vom großen Geld jedoch nicht erfüllt. Nur die Hälfte der Börsendebütanten dieses Jahres verzeichnet heute Kurse über dem Einstandspreis. Angesichts fallender Aktienkurse und verzögerter Börsengänge steht das Management vor der neuen Herausforderung, wie es die Mitarbeiter, die den Verfall des Nasdaq täglich auf dem Bildschirm verfolgen, weiter motivieren kann.

Von der New Economy haben inzwischen auch die alten Konzerne gelernt. "Befürchtungen, dass Manager nur an kurzfristigen Kurssteigerungen interessiert sind, sind nicht eingetreten", so Personalberater Otto W. Obermaier von der Personalberatung Spencer Stuart. "Die meisten Stock-Option-Modelle sind so konzipiert, dass sie langfristigen Erfolg belohnen."

Die Gehälter der Führungskräfte werden in den kommenden Jahren deutlich steigen. Außerdem ist eine wertorientierte Vergütung nicht nur bei Unternehmen mit Rechtsform einer AG möglich, sondern auch andere Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sind grundsätzlich denkbar.

Steuererleichterungen

Die geplanten steuerlichen Begünstigungen des neuen Kapitalmarktoffensivesgesetzes (KMOG), das nur auf nicht übertragbare Aktienoptionen, die nach dem 1.1.2001 eingeräumt wurden, Anwendung findet, werden den Trend zur aktienorientierten Vergütung jedenfalls verstärken, ist Bernhard Gröhs überzeugt.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo auf Vorstoß des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) die (geringere) Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen als Zwischenform von Aktie und Gehalt diskutiert wird, gelten Aktienoptionen hierzulande auch nach dem KMOG als lohnsteuerpflichtiger Vorteil aus einem Dienstverhältnis. (Martina Jürgens und Sabine Richter, DER STANDARD, Print-Ausgabe)

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