Gute alte Drosophila

9. Februar 2001, 14:08

Die Fruchtfliege trägt auch das Dickdarmkrebs auslösende tid-Gen in sich - und ermöglicht der Krebsforschung neue Erkenntnisse.

Berlin - Experimente mit der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) haben bereits bisher neue Erkenntnisse in der Krebsforschung gebracht. Jetzt konnte eine Arbeitsgruppe unter Ursula Kurzik-Dumke von der Universität Mainz beim Menschen und der Fliege gleichermaßen das so genannte tid-Gen nachweisen, das beim Menschen Dickdarmkrebs auslösen kann. Etwa 70 Prozent der Gene, die beim Menschen für die Entstehung von Krebs verantwortlich sind, hätten eine Parallele im Erbgut der Fruchtfliege, erklären die Fachleute. Etwa 80 dieser Gene würden derzeit untersucht.

Bei der Suche nach neuen Tumor-Genen bedienen sich die Forscher des Zufallsprinzips: Sie setzen die Fliege Substanzen aus, die das Erbgut verändern können. Zeigt sich dann in der nachfolgenden Fliegengeneration ein Krebs, suchen sie gezielt weiter nach dem Gen, das diesen Prozess in Gang gesetzt hat. So seien sie auch auf das tid-Gen gestoßen, erklärt Kurzik-Dumke: "Mit Hilfe von Drosophila konnten wir durch eine Gen-Therapie eindeutig beweisen, dass es sich bei dem tid-Gen um ein Tumor-Gen handelt."

Nach einer Reihe von molekularbiologischen und genetischen Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass das Gen und seine Produkte, die tid-Proteine, auch beim Menschen nachweisbar sind. Diese Eiweißstoffe seien so genannte Tumorsuppressoren, die die Zellteilung regulieren und damit die Entstehung von Krebs unterdrücken. Falle die natürliche "Bremse" jedoch durch eine Veränderung aus, komme es zu einer unkontrollierten Zellvermehrung und schließlich zu einem Karzinom.

Darüber hinaus seien die tid-Proteine aber auch Bestandteil von Signalketten, die den Zyklus der Zellteilung, die Differenzierung der Zellen untereinander und ihren Untergang beeinflussen. Wenn einzelne Glieder dieser Kette falsche Signale aussendeten, könne es ebenfalls zu Krebs kommen, erklärten die Wissenschafter.

Beim Menschen stünden bestimmte tid-Proteine ganz am Anfang jener Signalkette, an deren Ende Dickdarm- und auch Hautkrebs stehen können. "Bestätigt sich der Mechanismus der Tumorentstehung in der Drosophila auch beim Menschen, könnte zukünftig der Nachweis des mutierten Gens als diagnostisches Verfahren zur Früherkennung der beiden Krebsarten genutzt werden", erklärt Kurzik-Dumke.(APA/AP)

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