Japans Notenbank senkt Diskontsatz auf 0,35 Prozent

9. Februar 2001, 11:45

Schlüsselzins bleibt unverändert bei 0,25 Prozent

Tokio - Die japanische Notenbank (BOJ) hat am Freitag den eher symbolischen Diskontsatz gesenkt zugleich aber ihren Schlüsselzins für Tagesgeld mit 0,25 Prozent unverändert gelassen. Der Diskontsatz werde zum 13. Februar auf 0,35 von 0,50 Prozent gesenkt, teilte die BOJ im Anschluss an ihre Sitzung in Tokio mit. Das sei die erste Senkung des Diskontsatzes seit September 1995.

Notenbank-Chef Masaru Hayami werde den Zinsbeschluss ab 10.30 Uhr MEZ vor der Presse in Tokio erläutern. Analysten werteten dieses Schritt der BoJ nicht als spürbare Lockerung der Geldpolitik. Die Währungshüter wollten vielmehr kurzfristig die Liquidität der Märkte verbessern. Allerdings deute der Beschluss auf eine bedeutendere Lockerung der Geldpolitik im Jahresverlauf hin. Der Yen fiel nach der Entscheidung vorübergehend auf ein Zwei-Wochen-Tief zum Dollar.

"DEm politischen Druck widersetzen"

"Die BoJ versucht sich mit diesem Schritt so gut wie möglich dem politischen Druck, zur Nullzinspolitik zurückzukehren, zu widersetzen", sagte Richard Jerram, Chefvolkswirt bei ING Barrings. Die japanische Regierung hatte Anfang der Woche erneut ihre Sorge über die sinkenden Verbraucherpreise und den Konjunkturabschwung des Landes geäußert und damit Analysten zufolge die BoJ zu einer Zinssenkung gedrängt. So forderte Finanzminister Kiichi Miyazawa eine genaue Beobachtung der derzeitigen Verbraucherpreisrückgänge.

Notenbank-Chef Masaru Hayami hatte dagegen immer wieder betont, die BOJ werde weder eine quantitative Lockerung der Geldpolitik noch eine Rückkehr zur Nullzinspolitik beschließen. Unter quantitativer Lockerung ist Analysten zufolge ein Rückkauf von Staatsanleihen zur Belebung der Wirtschaft zu verstehen. Die Notenbank hatte im August 2000 bereits gegen den Willen der Regierung erstmals seit zehn Jahren den Schlüsselzins leicht auf 0,25 Prozent erhöht und damit ihre Nullzinspolitik beendet.

Der Beschluss der BoJ zeigt Analysten zufolge, dass die japanischen Währungshüter die wirtschaftliche Krise ihres Landes anerkennen. Der Druck auf die BoJ, die Geldpolitik zu lockern, wurde Analysten zufolge am Donnerstag durch die Veröffentlichung der nach unten revidierten Wachstumszahlen für das dritte Quartal 2000 weiter verstärkt. Die japanische Regierung revidierte den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Periode Juli bis September 2000 auf minus 0,6 Prozent von zuvor plus 0,2 Prozent. (APA/Reuters)

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    foto: montage/boj
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