Brasilien: Und dann und wann ein Buggy

9. Februar 2001, 11:10

Fantasievolle VW-Käfer-Umbauten im Nobelbadeort Búzios

Das englische Wort "bug" steht unter anderem für Wanze, Käfer und andere Ungeziefer. In seiner Verniedlichung, "Buggy", wurde es zum Inbegriff einer Auto-Subkultur, die unsere Kindheit prägte: die Eltern im Käfer-Umbau, wir im gleichnamigen Kinderwagen!

Massiv präsent sind die oft fantasievoll umgebauten offenen Käfer heute noch in Búzios, Brasilien: Das Straßenbild des gut 180 km nordöstlich von Rio de Janeiro gelegenen Nobelbadeorts ist von vielen bunten Buggys geprägt. Ein Grund dafür mag das ruppige, überdimensionale Kopfsteinpflaster sein, aus dem nicht nur die Straßen im Ortskern, sondern auch viele der Wege zu den insgesamt 23 Stränden der Halbinsel angelegt sind.

Der gewünschte Buggy wird zum Hotel gebracht

Das Verleihsystem ist übrigens gut ausgebaut. Der gewünschte Buggy in Rot, Gelb, Grün oder Weiß wird zum Hotel gebracht - und ab geht die Fahrt ins nostalgische Vergnügen. Zwei Personen können relativ komfortabel vorne sitzen. Wollen mehrere mitfahren, sollten die hinteren versuchen, so hoch und weich wie möglich zu sitzen und sich am Überrollbügel zu halten. Ansonsten ist die Gefahr hoch, dass man sich an selbigem den Kopf anstößt, wenn der Buggy über eines der vielen Schlaglöcher rumpelt.

Runter den steilen Berg vom Hotel zum Strand. Das Vogelgezwitscher ist durch den lauten VW-Motor nicht mehr zu hören. Dafür hat man großartige freie Sicht auf die Stadt, die Strände und die beeindruckenden Felswände, die - mit riesigen Kakteen geschmückt - steil ins Meer abfallen. Die dicken Hinterreifen sind unter großen Kotflügeln versteckt, die Steine können also nicht weit fliegen. Wegen der schlechten Straßen sind fast alle Autos in Brasilien höhergestellt; bei den Buggys ist das Fahrwerk noch zusätzlich verstärkt, sodass es auch etwaige Ausritte verzeiht.

eine gewisse Geländegängigkeit braucht es

Denn eine gewisse Geländegängigkeit braucht's nicht nur auf der Straße, sondern auch, um von selbiger schleunigst wegzukommen: Oftmals muss man nämlich ins Gelände ausweichen, weil Teile der Straßenbefestigung einfach weggerissen sind und sich Löcher im Grundriss eines Einfamilienhauses auftun.

Dass viele Kanaldeckel mitten auf der Straße fehlen, haben wir besonders nachts als extrem trickreich empfunden. Zwar gibt es auch nette Autofahrer, die Zweige ins Gully-Loch stecken, in der ausgefeilten Form sogar mit einem alten Plastiksackerl dran, das dann im Wind flattert. Aber dennoch: Obacht und notfalls sofort ab ins Gelände.

Tja, und am Strand sind die dick bereiften Freizeitvehikel urdeutscher Provenienz ohnehin sehr zweckdienlich - egal, ob es darum geht, hübsche Mädchen zu chauffieren oder den Jet-Ski-Anhänger ins Wasser zu lassen. Stinken und lärmen tut beides, aber schließlich ist man ja auf Urlaub.

Brigitte Bardot und Búzios

Ob Brigitte Bardot, die anno 1964 angeblich Búzios zu ihrem Lieblingsurlaubsort erklärt hatte, auch mit einem Buggy zum Jantar (Abendessen) geholpert kam, ist nicht gesichert. Fest steht indes, dass die Promeniermeile "Rua das Pedras" und der alte Teil des Fischerdorfes mit den großen Kopfsteinquadern eine Freude für die Sinne sind: tolle Schmuck- und Modegeschäfte, originell gestaltete Posadas, unzählige Restaurants und Bars mit Unmengen günstiger Caipirinhas und ausgezeichnetem Bier sowie herrlichen frischen Fruchtsäften.

In der Luft hängt der Duft einer Havanna-Zigarre, von Zeit zu Zeit tuckert ein Wirtschaftswunder-Lkw Marke Mercedes Benz vorbei. Und dann und wann ein Buggy . . . (Rudolf Melzer, DER STANDARD Print-Ausgabe, 9. Februar 2001)

Von
Rudolf Melzer
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