Motive für einen Jobwechsel

22. November 2001, 09:18
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Die Checkliste um zu entscheiden: im Unternehmen bleiben oder zu neuen Ufern aufbrechen?

Die einen erstarren in Routine und finden sich in Sackgassen wieder. Die anderen fiebern ungeduldig nach größerer Verantwortung und träumen davon, beruflich zu neuen Ufern aufzubrechen.

Der Frage, ob die Möglichkeiten im eigenen Unternehmen ausgereizt sind, steht das Risiko des Scheiterns gegenüber. Immer mehr Führungskräfte, Mitarbeiter, Spezialisten und Einzelkämpfer empfinden ihre momentane Situation bzw. Position als das Höchste, was sie in diesem Unternehmen erreichen können und liebäugeln mit einer besseren Position. Die einen sitzen das Problem aussitzen die anderen wechseln. aber auch bei denen, die zu einem Wechsel bereit sind stellt sich die Frage, sofort zu kündigen oder in Ruhe auf ein tolles Angebot zu warten.

Ganz anders ist es, wenn man einen Entscheidungsdruck von außen spürt. Fusionen oder Veränderungsprozesse lassen um den Arbeitsplatz zittern. Es drängt sich die Frage auf, freiwillig zu gehen, oder zu warten ob die Sorge berechtigt war.

Motive zu gehen

  • Viele leiden unter einem schlechten Vorgesetzten, der sie blockiert. Nach außen mimt man den stoisch Gelassenen. Dabei spürt man im Innern genau, wie das Selbstwertgefühl jeden Tag schwindet.

  • Lebensalter und private Etabliertheit: Allzu ungeduldigen jungen Führungskräften sei gesagt, dass sich drei Jahre in einem Unternehmen gut im Lebenslauf machen. Opportunistisches Jobhopping, das sich nur egoistisch an Karrierevorteilen orientiert, wird immer weniger gutgeheißen.

  • Loyalität: Wer sich emotional mit dem Unternehmen identifiziert, wer sich gefühlsmäßig bindet und sogar Freundschaften eingeht, dem fällt es schwer, das Unternehmen zu verlassen. Aus falsch verstandener Loyalität Chancen auf die eigene Weiterentwicklung sausen zu lassen, ist jedoch nicht notwendig.

Motive zu bleiben

  • Manchmal verbessern sich schlechte Bedingungen und entziehen auf diese Weise dem Trennungsentschluß die Grundlage. Manchmal kann sich auch die eigene Sicht verändern und die Entscheidung zu kündigen obsolet machen.

  • Mit der Aussprache, die Firma verlassen zu wollen, machen die Vorgesetzten oft Zugeständnisse mit denen man gar nicht gerechnet hätte. Mehr Verantwortung, mehr Freiraum und mehr Geld lassen den eingen Job dann wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen. Wer die Alternativen im eigenen Haus prüft, kann ungeahnte Chancen bekommen.

  • Manche forcieren einen Jonwechsel nur aus dem Grund, weil sie sich nicht mit Konflikten auseinandersetzen und diese nicht austragen wollen - auch nicht mit sich selbst. Die Psychologin spricht von Opfertypen, bei denen nur die anderen schuld seien.

    Vorsicht! Wer in solcher Stimmungslage den Umstieg versucht, läuft mit dem Kopf gegen die Wand. Im nächsten Job wird er dieselbe Situation wieder vorfinden. Warum? Weil er bei geballter Schuldzuweisung auf die anderen den eigenen Anteil übersieht. "Immer dann, wenn Selbstbild und Fremdbild auseinanderklaffen, ist was faul" wissen Psychologen. Aus diesem Grund sollte nicht den Arbeitsplatz wechseln, sondern sein Sozialverhalten analysieren - mit dem Partner, Freunden oder einem guten Coach.

Wechsel vor innerer Kündigung

Doch welche Indizien signalisieren, daß man reif für den Wechsel ist? Das untrüglichste Zeichen, so Gabriele Willner, sei ein anhaltendes Gefühl von Langeweile. Auch wer jahrelang von den Personalentwicklern vergessen und bei Gehaltserhöhungen übergangen wurde, sollte sich aufmachen. "Es gibt nun mal Chefs, die ihren Leuten Steine in den Weg legen. Dann muß man weg, ehe die Selbstachtung vollends dahin ist." Die Alternative Wechseln oder innere Kündigung ist keine - in keinem Alter, zu keiner Zeit.

Alternativen prüfen - und entscheiden

Ist die Entscheidung zu gehen gefallen, gehört das neue Angebot auf den Prüfstand. "Lassen Sie sich nicht von euphorischen Zukunftsträumen mitreißen" rät Rainer Zimmek. Er stellt oft fest, daß "Managern der Realitätssinn flötengeht. Da bringen sich Leute als Auslandsmanager ins Gespräch, die noch nicht mal fließend Englisch können." Nur Hasardeure folgen dem Motto "Man muß sich alles zutrauen". "Es führt meist zu einem neuen Desaster" meint auch sein Münchner Kollege Joachim Staehle. Fazit: Wer wechseln will, muß Hausaufgaben machen:

Zum einen braucht er Klarheit über sich und seine Kompetenzen: Wer bin ich? Was kann ich? Wo passe ich hin? Zum andern sollte er sich über das Alternativangebot gründlich informieren: Wie steht es um die finanzielle Situation des Unternehmens? Ist es innovativ? Wie hoch ist die Fluktuation bei Führungskräften? "Lassen Sie sich nicht von großen Namen blenden - weder von Firmen noch von Managern", rät Gabriele Willner. Ist alles geprüft und die Sache sieht nach bestem Wissen und Gewissen positiv aus - dann muß man springen. "Wer nun noch zögert, sollte es bleibenlassen", so die Tasa-Chefin. "Jetzt muß der Kandidat ausstrahlen: Ich will den Job, traue ihn mir zu und ich freue mich drauf."

Höchste Zeit für den Wechsel:

  1. Bleiben kann eine sinnvolle Alternative sein - Aussitzen ist keine. Wenn es in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Abteilung rumort, sollten Sie den Absprung erwägen - ehe Ihnen andere zuvorkommen. Achten Sie auf untrügliche Warnzeichen.

  2. Ihr Unternehmen fusioniert, Abteilungen wurden bereits zusammengelegt. Viele Jobs sind überflüssig. Was ist mit Ihrem?

  3. Die Produktion hat sich drastisch verteuert. Das schwächt die Wettbewerbssituation. Droht Personalabbau auch in ihrem Fachbereich?

    <öi>Die Besitzverhältnisse in Ihrem Unternehmen haben sich verändert. Alle Geschäftsfelder werden durchforstet, ob sie zum Kerngeschäft gehören. Was bedeutet das für Ihren Bereich und damit für Sie?

  4. Ein neuer Vorstandschef ist seit ein paar Monaten im Amt. Sie bekommen keine Informationen mehr. Die wichtigsten Projekte laufen an Ihnen vorbei. Hat man Sie kaltgestellt, und Sie wollen es nicht wahrhaben?

  5. Seit Jahren kämpfen Sie um eine Gehaltserhöhung - vergeblich. Geben Sie's auf. Sie haben womöglich Stärken, die woanders besser zum Klingen kommen. (red)
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