US-Befehlshaber in Japan nennt Gastgeber "Trottel und Waschlappen"

6. Februar 2001, 10:29

Bad Vibrations in Okinawa

Tokio - Der Befehlshaber der US-Streitkräfte auf der südjapanischen Insel Okinawa, Generalleutnant Earl Hailston, hat sich abfällig über die Provinzpolitiker, darunter Gouverneur Keiichi Inamine, geäußert. Wie am Dienstag aus Kreisen der Provinzregierung verlautete, schrieb Hailston in einer E-Mail vom 23. Jänner an seine Kommandanten: "Ich denke, sie sind alle Trottel und ein Haufen Waschlappen."

Hailston wollte in dem Rundschreiben seine Untergebenen ermahnen, ihre Soldaten zu strikter Disziplin gegenüber der lokalen Bevölkerung anzuhalten. Am 9. Jänner hatte die japanische Polizei einen jungen Marine-Infanteristen festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, einer japanischen Oberschülerin den Rock hochgehoben und ein Foto geschossen zu haben. Es war der vorerst letzte in einer Reihe sexueller Übergriffe der US-Soldaten.

Starkes Unbehagen

"Obwohl es ein persönliches Schreiben des Generalleutnants ist, empfinde ich starkes Unbehagen", räumte ein verstimmter Gouverneur Inamine vor Reportern ein. Eine Sprecherin der Provinzregierung wollte nicht sagen, wie die Japaner Kenntnis von der internen E-Mail erhalten hätten.

Hailston selbst erklärte, das Schreiben sei "ein sehr emotioneller Versuch gewesen, die Aufmerksamkeit meiner Kommandanten zu erlangen. Wenn meine Bemerkungen in der E-Mail anders verstanden werden, tut es mir sehr leid, und ich entschuldige mich für das Missverständnis".

Das Provinzparlament hatte nach dem Übergriff des Marine-Infanteristen in einer Sondersitzung einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der zum ersten Mal eine Verringerung der US-Marines auf Okinawa gefordert wird. Das Gros der US-Streitkräfte in Japan ist auf Okinawa konzentriert. (APA/dpa)

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    foto: www.wesco.fr
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