Gegen die Teilung der Frauen

15. Februar 2001, 12:21

dieStandard.at-Zitrone für den "Frauenblock"

Bei der Schlusskundgebung der Demo "Widerstand gegen 1 Jahr Schwarz-Blau" am 3. Februar meldeten sich auch sehr engagierte Frauen des "Frauenblocks" zu Wort. Äußerst löblich. Äußerst positiv. Und selbstverständlich.

Denn natürlich leisten Frauen Widerstand. Und das nicht erst seit einem Jahr. Nicht nur gegen die rechte Koalition, die mehr Überaschungen für Frauen bereithält als mensch jemals zu fürchten gewagt hat. Frauen leisten Widerstand, seit ihnen patriarchale Strukturen aufokroyiert worden sind. Genaugenommen über 2000 Jahre lang. Und das ist gut so. Und das ist notwendig. Und selbstverständlich.

Aber was wollen uns die Rednerinnen vermitteln, wenn sie in jedem Satz mitteilen, dass es sich bei den Widerständischen um Frauen UND Lesben handelt? Sind Lesben keine Frauen? Was haben sexuelle Orientierung und politisches Bewusstsein gemeinsam? Soll suggeriert werden, lesbische Frauen seien die besseren Feministinnen? Weil sie mit den "Unterdrückern" nicht ins Bett gehen? Oder weil ihre Degradierung als Frauen durch männerlose Sexualität noch verstärkt wird? Das ist schlimm. Und das ist zu verurteilen. Aber selbstverständlich im Patriarchat.

Frauen sollten eigentlich wissen, dass ihre Aufsplitterung im politischen Kontext uns nicht weiterbringt. Frauen sollten eigentlich aus ihren leidvollen Erfahrungen gelernt haben, dass ihre patriarchale Auseinanderdividierung ihre Machtlosigkeit bewirkt bzw. beschleunigt hat. Die Gesellschafts- und Staatsform des Patriarchats ist u.a. in all ihren Spielarten der Frauenunterdrückung letztendlich deshalb so "erfolgreich", als sie die Frauen getrennt hat - in Gute und Böse, um sie gegeneinander auszuspielen. Auf der einen Seite die reine Jungfrau, die treue Ehefrau, die aufopfernde Mutter und die keusche Heilige. Auf der anderen Seite die schmutzige Hure, die todbringende Hexe, die lüsterne femme fatale und die selbstbestimmte Feministin.

Machen wir nicht mit bei der Teilung der Frauen. Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren, indem wir zusätzlich eigene Kategorien aufstellen. Nützen wir unser Machtpotential - als Frauen!

Dagmar Buchta

05.02.2001
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