Der richtige Zeitpunkt für den Jobwechsel

22. November 2001, 09:22
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Die immer kürzer werdenden Zyklen des Marktes verlangen Schnelligkeit

In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Privatwirtschaft mehr verändert als in den 20 Jahren zuvor. Die Globalisierung, der Strukturwandel, Internet und New Economy pulverisieren den Arbeitsmarkt. Der völlig veränderte Arbeitsmarkt der Zukunft determiniert aber auch die Karrieren der Zukunft. Die typischen Kaminkarrieren - das lebenslange lineare und geradlinige Emporklettern der Karriereleiter in einem Unternehmen - sind endgültig passé. Die zukünftige Karriere wird in Sprüngen verlaufen, Bruchlinien und Zickzacklinien vorweisen. Branchen werden mit größerer Selbstverständlichkeit gewechselt werden. Die Dauerstelle wird zum Auslaufmodell - die Karrieren werden immer mehr individualisiert. Tempo schlägt Beständigkeit. Das langsame Wachstum unter unveränderten Rahmenbedingungen ist endgültig vorbei. Sämtliche neue Technologien sind auf Tempo aufgebaut.

Die immer kürzer werdenden Zyklen des Marktes verlangen Schnelligkeit. Die zweitbeste Lösung sofort ist besser als die beste Lösung später.

Märkte und Unternehmen werden immer komplexer. Früher gab es nur Freunde oder Feinde im Unternehmensumfeld, in Zukunft werden die Märkte immer mehr segmentiert, und daher wird es opportun werden, in einem Produktbereich zusammenzuarbeiten, in einem anderen Konkurrent zu sein. In einem immer komplexer werdenden Szenario wird es dramatisch wichtiger werden, den richtigen Zeitpunkt des Jobwechsels zu erwischen. Im Folgenden ein paar Anhaltspunkte, wann es Zeit ist, den Job zu wechseln:

  1. Wenn Sie sich in Ihrem Job nicht mehr wohl fühlen und nicht mehr lieben, was Sie tun. Nur wenn Sie Begeisterung für Ihre Arbeit aufbringen, werden Sie gut sein.
  2. Wenn Sie weder neue Technologien noch neue Märkte oder neue Produkte kennen lernen können. Jede Erweiterung Ihrer Kompetenz verbreitert Ihre Basis.
  3. Wenn Ihr Unternehmen oder Sie selbst stagnieren oder zu lange die gleiche Aufgabe wahrnehmen bzw. zu lange in einem wenig erfolgreichen Umfeld agieren.
  4. Wenn Sie in die Umgebung exzellenter Topmanager kommen können. Gute Manager und gute Unternehmen ziehen gute Mitarbeiter an und umgekehrt.
  5. Wenn Sie woanders Verantwortung übernehmen und Mitarbeiter führen können. Die Zeit der Kofferträger ist vorbei. Suchen Sie Herausforderung und Verantwortung. Gerne wird das Beispiel des Managers in der Flughafenlounge erzählt, der mit einem anderen Fluggast in ein Gespräch kommt, zufällig im Flugzeug neben ihm sitzt und kurz danach am Zielflughafen ein Jobangebot in der Tasche hat. Wenn es das je gegeben hat, beschreibt es den wichtigsten Punkt für den Jobwechsel: wenn die richtige Gelegenheit da ist.

Wer rasch wechselt, ist ein Job-Hopper, wer zu lange bleibt, ist ein Sesselkleber. Sie können sachlich nichts so richtig oder falsch machen, wie die richtige Gelegenheit zu verpassen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

Von Mag. Günther Tengel
Der Autor ist Österreich-Geschäftsführer und Partner der Managementconsulting Dr. Jenewein und Mitglied des Board von Amrop Hever Global Executive Search.
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