"Baise-moi" bleibt kleines Politikum

2. Februar 2001, 12:40

Vermarktung auf Video trotz Protestwelle

Paris - Sieben Monate nach seinem de-facto-Verbot in den Kinosälen ist der als "Skandalfilm" apostrophierte Skandalfilm "Baise-moi" in Frankreich nunmehr als Videokassette in den Verleih gekommen.

Das französische Äquivalent zum oberste Verwaltungsgericht, der Staatsrat, hat im Fall des von ihm im Juli als Pornographie eingestuften Film die Vermarktung als Kassette erlaubt, obwohl die von Bruno Megret geleitete rechtsextreme Bewegung "Mouvement National Republicain" (MNR), eine Abspaltung von Le Pens "Front National", vehement dagegen Stimmung gemacht hatte.

Die von Virginie Despentes gemeinsam mit der ehemaligen Porno-Schauspielerin Coralie Trinh Thi realisierte Verfilmung ihres gleichnamigen Romans mit den Pornostars Karen Bach und Raffaela Anderson in den Hauptrollen, war am 28. Juni vergangenen Jahres in 65 französischen Kinosälen angelaufen, nach zwei Tagen und 50.000 Zuschauern allerdings wieder gestoppt worden.

In einem Urteil des Staatsrats hieß es, dass der Film "eine pornographische Botschaft und einen Ansporn zur Gewalt" enthalte. So eingestuft, konnte er in Frankreich nicht mehr aufgeführt werden, da es keine spezialisierten Porno-Säle mehr gibt.

Durch das Erscheinen als Video erhofft sich Regisseurin Despentes nach eigener Angabe eine "Entdiabolisierung" des Streifens. Die scheint allerdings ohnehin schon längst eingetreten zu sein: Bei den Vorführungen auf dem Filmfestival von Locarno und danach auf dem Hamburger Filmfest überwogen schulterzuckende Reaktionen von Zusehern und Rezensenten. Eine unter anderem von Cathrine Breillat unterzeichnete Petition zur Revision des Gerichtsurteils wird Anfang März behandelt werden, mit guten Aussichten. Und Autorin Virginie Despentes arbeitet bereits an einem nächsten, entschieden literarischeren Filmprojekt.
(APA/hcl)

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