Werner Pohl: Ein Pfadfinder zieht bei den Lipizzanern ein

31. Jänner 2001, 19:42
Marathonläufer ist er zwar keiner, aber in den vergangenen neun Monaten ist er zwischen Landwirtschaftsministerium und Hofreitschule so flink und oft hin- und hergeeilt, dass man ihn durchaus schon zu dieser Kategorie ausdauernder Menschen zählen kann: Werner Pohl ist der neue Chef der Lipizzaner und der 110-köpfigen Crew. Das hat ihn selbst "letztlich schon überrascht".

Diskussionen und Bewerber für den Chefposten bei der ausgegliederten Spanischen Hofreitschule gab es nämlich zur Genüge. Doch dann hat die Fachkenntnis des 46-jährigen Niederösterreichers doch überzeugt: Als Assistenzarzt half Pohl gleich nach seinem Studium für Tiermedizin den Viechern bei der Geburt, dann führte er zeitweilig eine eigene Praxis; schließlich betreute er die Tiere im Reitzentrum Stadl-Paura in Oberösterreich.

Vor zwei Jahren wechselte der Fachtierarzt für Pferde ins Landwirtschaftsministerium, dort war er seit neun Monaten im Projektteam für die Schaffung der neuen "Spanischen" als Leiter eingesetzt - und damit von Beginn an mit der Materie betraut. So begleiten den drahtigen Neumanager das Pferd und dessen Fortpflanzung seit seiner Studienzeit. Als günstige Zusatzausbildung erweist sich nun seine bereits in frühen Jahren ausgeprägte Zuneigung zu Pferden: Lange Jahre war er Mannschaftstierarzt der österreichischen Gespannfahrer und legte auch gleich die staatliche Prüfung dafür ab.

Das nötige Rüstzeug, so viele Mitarbeiter zu führen, glaubt sich Pohl in den vergangenen drei Jahren als Bundesleiter der Pfadfinderinnen und Pfadfinder Österreichs bereits verschafft zu haben. Da habe er viel über Organisation und Kommunikation mit Menschen gelernt. Und wahrscheinlich auch darüber, wie man jeden Tag eine gute Tat setzt.

Auf die Aufgabe, die Spanische Hofreitschule vom staatlich geschützten Edelgestüt zum marktwirtschaftlich geführten Vorzeigebetrieb zu führen, freut sich der Niederösterreicher schon. Auch darauf, die seit 1. Jänner 2001 bestehende Gesellschaft so weit zu bringen, dass sie dem Bund nicht mehr zur Last fällt und richtig Geld verdienen wird.

Den Weg dahin will Pohl im Konzert mit dem Team gehen, denn die Mitarbeiter gehören "eingebunden", das sorge für die entscheidende Motivation. Ob er dabei unter den Tönen von Bach oder Händel dirigiert: Barock bleibt Barock und passt zu den weißen Traditionspferden. Klassische Musik, vor allem aus der Barockzeit, ist sein erstes großes Hobby.

Daneben liebt er es, mit seiner Frau und den beiden Söhnen (neun und elf Jahre) auf Reisen zu gehen. Ansonsten hängt er an seinem Garten im niederösterreichischen Maria Anzbach, wo er sich auch künftig von arbeitsbedingten Strapazen erholen will. (Esther Mitterstieler, DER STANDARD, Printausgabe 1.2.2001)

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    grafik: derstandard
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