Integration: Brauner kritisiert "Selektionsvorstellungen"

31. Jänner 2001, 14:08

Görg wolle AusländerInnen "nach eigenen Bedürfnissen" selektionieren

Wien - Die Wiener Integrationsstadträtin Renate Brauner (S) hat am Mittwoch die von Vizebürgermeister Bernhard Görg (V) geäußerten Vorhaben zur Integrations- und Zuwanderungspolitik als "äußerst widersprüchlich und viel zu wenig durchdacht" bezeichnet. Ablehnend stehe sie vor allem dem Selektionsgedanken gegenüber, erklärte Brauner in einer Aussendung.

Ausbildung und Alter

Görg hatte sich am Dienstag in einer Pressekonferenz dafür ausgesprochen, ZuwanderInnen nach "unseren eigenen Bedürfnissen zu selektionieren". Ausbildungserfordernisse oder das Alter stünden dabei im Mittelpunkt.

Obwohl Görg zu einem humanen und fairen Umgang mit ausländischen MitbürgerInnen plädiere, gebe es in dem "christlich-sozialen Grundsatzpapier" seiner Partei AusländerInnen erster und zweiter Klasse, kritisierte Brauner. Menschen, die zuwandern wollen, sollen nach den Kriterien des "ökonomischen Nationalinteresses" ausgewählt werden, so ihr Kommentar.

Sichtbare Loyalität?

Außerdem fordere die ÖVP von den ZuwanderInnen, das "Verstehen der abendländischen-österreichischen Kultur" und "eine sichtbare Loyalität" einzuhalten. Brauner: "Dies sind politisch völlig undefinierte und missverständliche Begrifflichkeiten. Was heißt sichtbare Loyalität? Wie sieht die abendländisch-österreichische Kultur konkret aus? In der heutigen globalisierten und dynamischen Gesellschaft könne Kultur mit Volkstumslehre oder Geschichtsunterricht kaum effektiv vermittelt werden."

Gleichzeitig erinnerte sie die ÖVP an die "enorme Integrationsleistung" in den Schulen und Kindergärten. Sehr heftig widersprach sie der "zumindest unglücklich gewählten" Diktion der Ghettobildung und dem Wunsch nach Durchmischung im Wohnbau: "Nun tappt sogar der Vizebürgermeister in die FPÖ-Falle, die Horrorszenarien zeichnet und alles schlecht macht. Wien hat keine Ghettos. Darauf sind wir stolz."

In Wien zuhause

Investitionen sollen weiterhin zielgerichtet in den Wohngegenden mit schlechter Bausubstanz und sozialen Konfliktpotenzial zukommen, ohne zu berücksichtigen, ob die BewohnerInnen den österreichischen Pass haben oder nicht. Ein Großteil der Forderungen, so betonte Brauner weiter, habe längst im Integrationsprogramm der Stadt eine Umsetzung gefunden.

Außerdem freue sie sich über die weitgehende Übereinstimmung in Sachen politischer Partizipation. ZuwanderInnen sollten auch das Recht haben, dort wo sie Zuhause sind - "nämlich in Wien" - über ihre eigene Zukunft mitzuentscheiden. Wenn nun die Wiener VP Gesprächsbereitschaft signalisiere, sei das positiv zu werten. (APA)

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    foto: standard/cremer
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