Von Kult- zu Kosmosbildern

30. Jänner 2001, 22:34

Der Maler der Natur

Wien - Max Weiler, der Nestor der österreichischen Malerei, wurde am 27. August 1910 in Absam in Tirol geboren. Seine Jugend ist vom Engagement in der katholischen Neulandgruppe, der er seit 1926 angehörte, und deren franziskanisch-einfachen Lebensstil stark geprägt. 1930 bis 1936 studierte der am Montagnachmittag in Wien verstorbene Weiler an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Vom Anfang an war es die Beschäftigung mit Natur und Schöpfung, die sein zentrales Bildthema bildete. In der ersten Phase trat der religiöse Aspekt deutlich in den Vordergrund. Hinzu kam die Begeisterung für die Sensibilität und Geistigkeit der alten chinesischen Malerei.

1942 bis 1945 musste er als Gefreiter den Dienst in der deutschen Wehrmacht leisten. In Jugoslawien und Italien entstanden dabei kleinformatige Bilder von fast impressionistischem Charakter. Die Kriegserlebnisse erschüttern Max Weiler, taten der Beschäftigung mit religiösen Themen jedoch keinen Abbruch. Als er den Auftrag erhielt, die Fresken der Theresienkirche auf der Innsbrucker Hungerburg zu gestalten (1946/47), sorgte er mit seiner expliziten Aktualisierung für Erregung. Der Maler ließ einen Bauern den Lanzenstich in die Brust Christi ausführen, worauf sich der Bauernstand verunglimpft fühlte. In einem Aufsehen erregenden Prozess wurde Weiler freigesprochen, das Fresko jedoch 1950 mit Tüchern verhängt. Auch die 1954 und 1955 geschaffenen Wandbilder im Innsbrucker Hauptbahnhof sorgten wiederum für Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit. 1967 gestaltete er den Eisernen Vorhang am Tiroler Landestheater.

Erster Höhepunkt in der ersten Hälfte der 50er Jahre

Einen ersten Höhepunkt seiner Stilisierung der Natur erreichte Weiler in der ersten Hälfte der 50er Jahre. Er wechselte das Material - statt Öl verwendet er jetzt öfter Eitempera - und fortan bestimmt ein fließender, aquarellähnlicher Farbauftrag sein Werk. Spätestens ab 1955 tendiert Weiler zu einer rein malerischen Formensprache. Das Gegenständliche der Motive löst sich zu Gunsten von Formengebilden auf, die er in abstrakten Farbabstufungen gestaltet. Diese von intensiven Farben geprägten, zum Teil extrem großformatigen Bilder, dominieren auch Weilers Spätwerk und machen ihn überaus populär.

Weiler war nie ein Maler, der sich künstlerischen Modeströmungen angeschlossen oder gar ausgeliefert hat. Monumentale Aufgaben meisterte er ebenso, wie in vielen Jahrzehnten ein sensibles, umfassendes zeichnerisches und druckgraphisches Werk entstanden ist.

Die Reihe der großen Ausstellungen im In- und Ausland und die vielen Auszeichnungen, die Weiler im Laufe seines langen Lebens erhalten hat (Großer österreichischer Staatspreis, Tiroler Landespreis für Kunst) wurden im Vorjahr, an dem Max Weilers 90. Geburtstag gefeiert wurde, mit der Verleihung der Wiener Ehrenbürgerurkunde und des Goldenen Ehrenzeichens am Band mit dem Stern der Republik Österreich gekrönt. Die Retropektive "Max Weiler. Im Jahrhundert der Moderne. Malerei seit 1927" war 1999/2000 im Wiener Künstlerhaus und an der Akademie der bildenden Künste präsentiert worden. (APA)

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    foto: standard/fiedler
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