Attraktive Stammzellen

29. Jänner 2001, 21:14

In Davos wurde über die Bedeutung des Klonens zur Therapie diskutiert.

Davos - Das Wirtschaftsforum vermittelt stets auch hochspannende Informationen über die neuesten wissenschaftlichen Fortschritte. Überfüllt war daher besonders ein Seminar über das Faszinosum Stammzelle.

Um einem Parkinson- oder Huntington-Patienten wirklich helfen zu können, braucht man fünf bis sieben menschliche Embryonen des Frühstadiums. Diese wenige Millimeter großen Zellhaufen der ersten vierzehn Tage eines gezeugten Lebens bieten genug Potenzial, um kranke Stammzellen durch gesunde zu ersetzen.

Deshalb habe man sich um die Genehmigung zum Klonen solcher Zellen durch das britische Unter- und Oberhaus bemüht, sagte Ian Wilmut, Direktor des Roslin-Instituts und "Schöpfer" des Klon-Schafs Dolly. Das Oberhaus hat sich am Dienstag vergangener Woche mit großer Mehrheit der Unterhaus-Entscheidung angeschlossen.

Tatsächlich gibt es drei Arten von Stammzellen. Stammzellen im Blut können sich nicht erneuern, Stammzellen der einzelnen Organe bringen nur solche hervor, die speziell dafür verantwortlich sind (für Leber, für Gehirn etc.). Die embryonalen Stammzellen hingegen entfalten ihr Potenzial für den gesamten Körper und sind deshalb so attraktiv.

Irving Weissmann, Pathologie-Professor in Stanford und Mitbegründer von Systemix, einer Biotechnologie-Firma, berichtete über fortgeschrittene Experimente zur Krebsbekämpfung durch Stammzellen.

In den USA und in Frankreich hat man blutbildende Stammzellen in Patienten transplantiert, deren Knochenmark durch intensive Bestrahlung zerstört wurde. Mithilfe dieser Zellen konnte das Blutsystem wieder belebt werden. Das Problem sind u.a. Aufwand und Kosten. Denn solche speziellen Zellen seien, berichtete Weissmann, äußerst selten: eine unter 10.000 im Knochenmark. Daher brauche man eine Maschine zum Sortieren der Zellen. Kostenpunkt eines einzigen Gerätes: nahezu zehn Millionen Schilling. Fred Gage, Salk-Institut/USA, sagte, es gebe Hinweise, wonach man Stammzellen eines Organs möglicherweise so "trainieren" könne, dass sie in anderen Organen wirksam werden. Aber man wisse insgesamt noch ziemlich wenig.

Wilmut vertrat wegen der mit den Forschungen verbundenen ethischen Probleme die Auffassung, dass das britische Beispiel Schule machen sollte. Insgesamt brauche jede Gesellschaft Richtlinien, wie sie mit dem Phänomen des Klonens umgehen könne. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. 1. 2001).

Von Gerfried Sperl
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