"Ich wäre die erste, die alles auf den Kopf stellen würde"

28. Jänner 2001, 22:19

Die Texterin Tina Preschitz im Interview mit dieStandard.at

Auch auf der Seite der ProduzentInnen sind Frauen immer häufiger vertreten. dieStandard.at sprach mit der 26-jährigen Texterin Tina Preschitz über die Arbeit in der Praxis.

dieStandard: Wie bist Du zur Werbung gekommen?

Tina Preschitz: Voll reingerutscht. (lacht) Also, eigentlich war es ein absoluter Zufall. Ich hatte es gar nicht vorgehabt. Ich hab mich einfach beworben, Stellenangebote durchgeschaut. Ich hab angerufen, war am selben Tag noch dort, und drei Tage später hab ich den Vertrag unterschrieben. Es ist mir passiert. Wobei frau sagen muss, dass die Arbeit teilweise schon sehr schwierig ist. Es kann Knochenarbeit sein.

dieStandard: Welche Ausbildung hast Du hinter Dir?

Preschitz: Ich hab die Handelsakademie gemacht und dann angefangen zu studieren. Publizistik im Hauptfach und Psychologie/Theaterwissenschaften in der Fächerkombination. Nebenbei hab ich immer gejobbt und das Praktikum bei der GGK gemacht.

dieStandard: Hilft Dir Deine Ausbildung bei Deiner Arbeit in der Werbebranche?

Preschitz: Nicht wirklich. Das Hintergrundwissen gibt Dir eine gewisse Basis, aber die Praxis schaut dann doch ganz anders aus.

Immer neu an Dinge herangehen

dieStandard: Was gefällt Dir an Deiner Arbeit?

Preschitz: Ich muss mich mit sehr unterschiedlichen Bereichen auseinandersetzen. Ich kann viel herumprobieren und mich immer selbst austesten. Das heißt, ich muss immer versuchen, neu an die Dinge heranzugehen.

dieStandard: Was gefällt Dir an Deiner Arbeit nicht?

Preschitz: Wenn KundInnen Deine Arbeit nicht schätzen. Wenn es ihnen nicht gefällt und ich die Arbeit zurück krieg, hab ich natürlich kein Problem damit, solange sich das ganze in einem konstruktiven Bereich bewegt.

dieStandard: Sind die KundInnen sehr oft Frauen, oder doch eher Männer?

Preschitz: Na ja, ausgewogen zu sagen wäre wohl übertrieben, aber es gibt doch einige Frauen darunter.

dieStandard: Zum Thema Frauen in Werbung. Wie hoch ist beispielsweise der Prozentsatz an Frauen in "Deiner" Agentur?

Preschitz: Es ist ziemlich ausgewogen. Wobei es so ist, dass in der KundInnen-Beratung viel mehr Frauen sind, und in der Kreation sind eigentlich mehr Männer.

Je weiter oben, umso mehr Männer

dieStandard: Gilt das auch generell?

Preschitz: Ja, ich glaube, das kann frau auf die allgemeine Situation umlegen. Wobei es auch noch auf die Ebene ankommt. Je weiter oben, umso mehr Männer sitzen dort.

dieStandard: Worauf würdest Du das zurückführen?

Preschitz: Keine Ahnung. Vielleicht hängt das mit Familie zusammen. Aber ich weiß es nicht, vielleicht ist das aber auch nur eine Klischee-Erklärung. Ich weiß nicht, ob es in der Werbung schwieriger ist für eine Frau. Ich denke, gerade in der Werbung sollte es nicht schwieriger sein.

dieStandard: Warum?

Preschitz: Weil mensch hier sehr gut zeigen kann, wie gut und wie kompetent mensch ist. Aber ich kann hier nur für meine Agentur sprechen. Ich selbst hab einfach noch nie die Erfahrung gemacht, dass ich als Frau mich besonders beweisen musste, dass ich mehr leisten musste. Aber vielleicht sehen es Frauen, die schon länger in der Branche arbeiten, anders.

dieStandard: Was würdest Du eine Frau empfehlen, die in die Werbung will?

"Es gibt keine klassischen Bildungsweg"

Preschitz: Das kommt darauf an. Wenn sie in die KundInnen-Beratung will, dann schadet eine wirtschaftliche Ausbildung nicht. Wobei ich sagen muss, dass es gerade in der Werbung sehr viele QuereinsteigerInnen gibt. Bei der Grafik ist es auch klar. Beim Text muss frau halt schreiben können. Es interessiert eigentlich niemanden, welche Ausbildung frau hat. Daran wird es nicht gemessen. Es gibt keinen klassischen Bildungsweg.

dieStandard: Arbeiten Männer und Frauen unterschiedlich?

Preschitz: Auf jeden Fall. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Männer anders auf Probleme zugehen. Wobei ich gestehen muss, dass ich mir mit einer Geschichte auch einmal eine Beschwerde vom Werberat eingehandelt habe. Wegen angeblicher Frauenfeindlichkeit. Meine Agentur hat dann dazu eine Stellungnahme abgegeben, und die ganze Sache ist dann im Sand verlaufen. Irgendwie glaub ich, dass ich einen ganz gesunden Zugang zu der Sache hab.

dieStandard: Zum Thema Sexismus in der Werbung. Was fällt Dir ganz spontan dazu ein?

Preschitz: Dass ich das selten so eng sehe wie viele meiner KollegInnen. Ich hab zum Beispiel kein Problem mit aufreizenden Fotos.

Werbung muss provozieren

dieStandard: Was ist für Dich eine sexistische Werbung?

Preschitz: Da fällt mir im Moment keine ein. Dieses ÖBB-Plakat "Heiße Fracht" hab ich auf den ersten Blick nicht sexistisch gefunden. Ich hab den Gedanken im ersten Moment gar nicht so weit gesponnen. Bis einige meiner KollegInnen mich darauf hingewiesen haben. Meistens muss Werbung halt provozieren. Klar: die Frage ist, ob auf Kosten anderer Frauen...Ich weiß nicht, ob mensch nicht viele Dinge lockerer sehen könnte. Aber ich weiß, ich steh mit meiner Meinung – unter Frauen – sehr oft allein da.

dieStandard: Weil Du vorhin von Provokation gesprochen hast: Ich glaube, die Werbung provoziert nur in einem sehr beschränkten Rahmen. Sie arbeitet hauptsächlich mit gesellschaftlichen Konventionen, weil sie ja letztendlich dieser Gesellschaft ein Produkt verkaufen will.

Preschitz: Ja, und ich wäre die erste, die alles auf den Kopf stellen würde. Nur letztendlich ergibt sich das nicht. Die Werbung spielt sich mit Klischees und Rollenverhalten. Und es fehlen letztendlich die Produkte und die KundInnen. Ich glaube nicht, dass es in der Werbung an Menschen fehlt, die so etwas wagen würden. Die Möglichkeiten fehlen eben. Es fehlen in Österreich einfach die Markenprodukte, weil wir einen anderen Markt haben als zum Beispiel Deutschland.

dieStandard: Möchtest Du für immer in der Werbung bleiben oder strebst Du etwas anderes an?

Preschitz: Solange es mir Spaß macht, bleib ich dabei.

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    foto: diestandard.at
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