Heftige Debatte um Legalisierung der Euthanasie in Italien

28. Jänner 2001, 10:36

Unterschriftensammlung hofft auf ein halbe Million Unterstützer

Rom - Das heikle Thema der Euthanasie spaltet Italien. Die Radikale Partei hat am Samstag eine Kampagne für die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe gestartet. Mit einer Unterschriftensammlung hofft die Partei von Ex-EU-Kommissarin Emma Bonino auf die Ausschreibung einer Volksabstimmung über diese umstrittene Frage.

Die Euthanasie soll ein Hauptpunkt der Wahlkampagne der Radikalen in Hinblick auf die Parlamentswahlen im kommenden Frühjahr werden, sagte Bonino bei einer Pressekonferenz am Samstag in Rom.

"Mit unserer Kampagne wollen wir Italien vom Einfluss des Vatikans retten und das Land an die anderen europäischen Länder anpassen. Es gibt Rechte, die das Leben aller Bürger betreffen, die in Italien nicht respektiert werden", betonte Bonino. Intellektuelle, Starjournalisten und TV-Leute wollen sich der Kampagne anschließen. Ziel der Partei ist eine halbe Million Unterschriften zu sammeln.

Die Radikale Partei kann mit der Unterstützung des Gesundheitsministers Umberto Veronesi, einem angesehenen Krebsspezialisten, rechnen. Er war im Sommer stark unter Druck geraten, nachdem er sich für eine offene Parlamentsdebatte zum Thema Euthanasie ausgesprochen hatte. "Ein zivilisiertes Land müsste eine Einigung über dieses umstrittene Thema finden (...) Da ein Teil der Italiener für die Euthanasie ist, wäre zwar kein Referendum, zumindest aber eine offene Debatte im Rahmen des nationalen Kommitees für bioethische Fragen oder im Parlament angebracht", sagte Veronesi.

Laut dem Minister müsse die Gesellschaft eine Antwort auf die Frage der "lebenden Toten" finden, wie er die vielen Kranken bezeichnet, die seit Jahren im Koma liegen. Seine Worte hatten heftige Reaktionen des Vatikans ausgelöst. (APA)

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