Neuer Anlauf zu "Forschungsland Österreich"

26. Jänner 2001, 16:09

Forschungsquote soll bis 2005 auf 2,5 Prozent gesteigert werden

Wien - Nach jahrelangen wirkungslosen Versuchen früherer Regierungen zu einer Verbesserung der Forschungsintensität in Österreich nimmt die VP-FP-Koalition einen neuen Anlauf. So hat der Rat für Forschung und Technologieentwicklung (RFT) empfohlen, von netto 6,75 Mrd. S, die bis zum Ende der Legislaturperiode für die Forschungsförderung ausgegeben werden sollen, 1,19 Mrd. S für dedizierte Maßnahmen freizugeben. Bis zum Jahr 2005 soll die österreichische Forschungs- und Entwicklungsquote (F&E) auf 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden, ist Ziel der Bundesregierung. 1999 betrug die Quote 1,81 Prozent, im Vorjahr ist sie wieder leicht auf 1,79 gesunken.

Der Vorsitzende des achtköpfigen RFT, Böhler-Uddeholm-Vorstand Knut Consemüller, beziffert den Bedarf für eine F&E-Quote von 2,5-Prozent mit mehr als 80 Mrd. S. 2000 betrugen die Forschungsausgaben 50,2 Mrd. S, die Industrie hat dazu rund 20 Mrd. S beigetragen, dazu kamen Forschungsausgaben von 10,5 Mrd. S durch verbundene Unternehmen im Ausland. Um die 30 Mrd. S für das Erreichen der 2,5-Prozent-Quote aufzubringen, müsste mit der Forschungsförderung eine Hebelwirkung erreicht werden, die nur in der Verstärkung der industrienahen angewandten Forschung liegen kann.

Ursprünglich von 10 Mrd. S ausgegangen

Die 6,75 Mrd. S entstammen einer Rechnung, die ursprünglich von 10 Mrd. S ausgegangen war, wovon aber dann 3 Mrd. S für Infrastrukturvorhaben gewidmet wurden (900 Mill. S wurden davon heuer bereits für Straßenbauvorhaben freigegeben). Von den 7 Mrd. S verbleibenden Forschungsmitteln wurden noch 192 Mill. S dem Wissenschaftsministerium und 60 Mill. S dem Wirtschaftsministerium zur Verfügung gestellt, um bisher nicht budgetierte Mittel freizubekommen. Mit den Mitteln sollen auch technologische Beratungen sowie Marketing- und Werbemaßnahmen finanziert werden, gedacht ist auch an Informationsbroschüren, die an den AHS zum Weiterstudium in naturwissenschaftlichen Fachrichtungen animieren sollen.

In der Grundlagenforschung liegt Österreich mit einer Quote von 0,53 Prozent des BIP deutlich über dem EU-Durchschnitt von 0,38 Prozent. Die projektorientierte Forschungsförderung ist jedoch in der Schweiz viermal und in Deutschland doppelt so hoch wie in Österreich.

Unis brauchen mehr "entrepreneurship"

Der zitierte "Hebel" müsste demnach in Gemeinschaftsprojekten von Wissenschaft und Wirtschaft liegen, eine altbekannte Forderung, die jedoch bisher an den unterschiedlichen "Kulturen" gescheitert ist. Also müssten die universitären Forschungsinstitute mehr "entrepreneurship" zeigen. Einen Anstoß erwartet man auch von den Fachhochschulen, als positive Konkurrenz zu den Universitäten.

Dass es Österreichs Forschungspotenzial an Personalressourcen nicht in erster Linie mangelt, zeigt sich an der deutschen Autoindustrie, wo zahlreiche Österreicher in leitenden Funktionen in der Forschung tätig sind. In Österreich müsste sich ein Netzwerk um Technologiefirmen mit Weltgeltung, wie AVL, Plansee oder Böhler-Uddeholm gemeinsam mit der Wissenschaft bilden, wobei private Forschungsinstitute wie beispielsweise das Joanneum einbezogen werden könnten.

Gut unterwegs ist die schon unter der Vorgängerregierung ins Leben gerufene Cluster-Philosophie. Der steirische Automobilcluster umfasst mittlerweile 300 Firmen und soll jetzt auch von Oberösterreich und Wien kopiert werden. Im Umfeld des Clusters ist bereits auch die Zahl der Inskribienten naturwissenschaftlicher Studienzweige gestiegen. Sehr gute Resonanz wird auch beim erst kürzlich vom Stapel gelassenen Holz-Cluster beobachtet. (APA)

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