Viel Aufklärungsarbeit sei zu leisten

26. Jänner 2001, 13:16

Über die Ursachen von PMS ist wenig bekannt

Wien - Prämenstruelle Störungen (PMS) werden laut MedizinerInnen noch immer zu wenig diagnostiziert und bleiben daher oft unbehandelt. "Untersuchungen haben gezeigt, dass bei bis zu 75 Prozent aller Frauen in den Tagen vor der Monatsblutung ganz bestimmte Veränderungen wie Kopfschmerzen, Brustziehen oder Stimmungsschwankungen auftreten", sagte Univ. Prof. Dr. Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien. Rund fünf bis acht Prozent der zwischen 15- und 49-Jährigen leiden sogar an einer besonders schwerwiegenden Form des PMS, der prämenstruellen Dysphorie (PMD), erklärte Rieder am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Bei ihnen sind insbesondere die psychischen Symptome wie Reizbarkeit, Angespanntheit und Niedergeschlagenheit bis hin zur kurzen Depression so stark ausgeprägt, dass sie in ihrem täglichen Leben massiv beeinträchtigt sind", sagte die Medizinerin. Über die Ursachen von PMS und PMD sei noch relativ wenig bekannt.

"Eine große Rolle dürften wohl die physiologischen und hormonellen Veränderungen spielen, die im Laufe des Monatszyklus im Körper einer Frau stattfinden", so Rieder. Denn die Beschwerden treten frühestens mit der ersten Monatsblutung auf, während einer Schwangerschaft und nach der Menopause verschwinden sie jedoch wieder.

Viel Aufklärungsarbeit

Bei dem Thema sei noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, erklärte die Ärztin. PMD sei eine ernstzunehmende Krankheit. "Viele Frauen sprechen aus Scham das Thema nicht an und versuchen jedes Monat aufs Neue, durch dieses Syndrom durchzutauchen. Ich wünsche mir mehr Information, professionelle Betreuung und mehr Problembewusstsein."

Die Unwissenheit über die Krankheit führe auch bei Familie, FreundInnen oder ArbeitskollegInnen zu Problemen, meinte Rieder. "Nur wenn betroffene Frauen umfassend informiert sind, können sie ihre Beschwerden auch als prämenstruelles Syndrom erkennen und entsprechende professionelle Hilfe in Anspruch nehmen."

Um die Diagnose "PMD" mit Sicherheit stellen zu können, werden spezielle, an das Beschwerdebild adaptierte Fragebögen verwendet, die der/dem ÄrztIn dabei helfen, PMS und PMD von anderen kurz andauernden Depressionen abzugrenzen, sagte Univ. Prof. Dr. Anton Bergant von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Innsbruck. "Leider gibt es kein Patentrezept, um PMD zu behandeln. Vielen Frauen hilft es schon zu wissen, dass es für ihre bisher unerklärlichen Beschwerden eine medizinisch anerkannte Erklärung gibt", so Bergant.

Unterschiede

Der Experte: "Manche erfahren eine spürbare Erleichterung, wenn sie an den sogenannten heiklen Tagen vor den Tagen den Genuss von Koffein, Salz, Alkohol und Nikotin einschränken. Anderen hilft es wiederum, wenn sie sich gerade an diesen Tagen auch mal Zeit sowohl für Sport als auch für Entspannung nehmen und Stress und wichtigen Terminen aus dem Weg gehen."

Bei rund fünf Prozent aller betroffenen Frauen ist die Beeinträchtigung auf Grund der prämenstruellen Beschwerden so gravierend, dass auch eine medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden müsse, sagte Bergant. "Die derzeit effektivsten, zur Behandlung von PMD zur Verfügung stehenden Medikamente sind die sogenannten SSRIs (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, Anm.) aus der Gruppe der Antidepressiva, die die Wirkung des Botenstoffes Serotonin beeinflussen", so der Gynäkologe. Verschiebungen des Serotoninspiegels werde als eine der Ursachen von PMD vermutet. (APA)

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    foto: photodisc
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