Bank Austria: Schon nächste Woche deutliche US-Zinssenkung möglich

26. Jänner 2001, 12:53

Unsicherheit über US-Konjunktur sorgt für volatile Zinsen, Währungen und Aktien

Wien - Die Frage, ob die US-Wirtschaft sanft oder ruppig landet oder gar in eine Rezession stürzt, sorgt für anhaltende Unsicherheit an den Anleihen-, Währungs- und Aktienmärkten. "Innerhalb der nächsten Wochen wird sich das Bild der US-Konjunktur kaum klären. Nervosität und Volatilität wird die Märkten bestimmen", erklärte der Leiter des "fixed income research" der Bank Austria/Creditanstalt Group, Heinz Bednar, heute, Freitag, bei einem Pressegespräch. Die US-Notenbank werde der konjunkturellen Verlangsamung mit weiteren Zinssenkungen entgegen steuern. Schon Mitte nächster Woche sei der nächste Zinsschritt im Ausmaß von 25 bis 50 Basispunkten Senkung in den USA zu erwarten.

Insgesamt noch zumindest einen dreiviertel Prozentpunkt nach unten auf 5,25 Prozent sollte die Federal Reserve (Fed) die US-Zinsen im ersten Halbjahr treiben. Zusammen mit der am 2. Jänner erfolgten Zinssenkung um 50 Basispunkte würden die amerikanischen Zinsen dann um 125 Basispunkte verringert worden sein. Damit sollte die US-Wirtschaft, die Bednar im ersten Halbjahr 2001 sehr schwach aber nicht negativ einschätzt, wieder an Fahrt gewinnen. Die niedrigen Zinsen sollten eine Basis für eine Erholung im dritten und viertel Quartal dieses Jahres legen. Im Gesamtjahr 2001 sollte die US-Wirtschaft um 2,3 bis 2,4 Prozent wachsen.

Umschichtungen in risikoärmere Papiere

Die unsicheren Konjunkturaussichten haben Investoren zu Umschichtungen in risikoärmere Papiere veranlasst. Bei Aktien gehe der Trend zu fundamental abgesicherten Werten, am Anleihemarkt von Unternehmens- und Staatsanleihen. Unter Annahme eines soft landings in den USA prognostiziert die Bank Austria/Creditanstalt einen U-förmigen Renditeverlauf für zehnjährige Bonds: Von aktuell 5,29 Prozent zurück auf 5,1 Prozent in drei Monaten und dann wieder auf 5,4 Prozent hinauf.

Auf Euroland dürfte sich die verlangsamte US-Konjunktur zwar dämpfend auswirken, allerdings sollte die Abkühlung der Wirtschaft nicht sehr stark sein. Europa dürfte die USA heuer "outperformen", so Bednar, der von einem Wachstum von 2,7 Prozent nach 3,1 Prozent im Vorjahr ausgeht. Die Europäische Zentralbank können sich daher ein bisschen mehr zurücklehnen als die US-Notenbank: Die Euro-Zinsen dürften wesentlich moderater als die US-Zinsen um etwa 25 Basispunkte gesenkt werden. Der Euro sollte sich gegenüber dem US-Dollar daher festigen und in Richtung Parität ziehen.

In Japan erwartet Bednar heuer 1,8 Prozent Wachstum und keine Zinssenkung mehr. Das Budgetdefizit werde hoch bei etwa 6 Prozent des BIP bleiben, die schwache Konjunktur habe einen zusätzlichen Fiskalstumulus notwendig. Die Kursrelation Dollar/Yen dürfte seitwärts, der Euro gegenüber dem Yen etwas fester gehen. (APA)

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    foto: photodisc
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