Christa Stewens, Bayerns neue Sozialministerin

25. Jänner 2001, 20:14

Das "Superweib" der CSU, gestählt in der Familie - von Alexandra Föderl-Schmid

Ausschlaggebend war der Rat der Kinder. "Mama, mach's, das packst du schon", habe es im Familienkreis geheißen. Daraufhin gab Christa Stewens Ministerpräsident Edmund Stoiber die Zusage, neue bayerische Gesundheits-und Sozialministerin zu werden. Vor allem Familienpolitik und die Verbesserung von Rahmenbedingungen für berufstätige Frauen will die Nachfolgerin von Barbara Stamm, die wegen ihres miserablen Krisenmanagements beim BSE- und Schweinemastskandal zurückgetreten war, zu ihren Schwerpunkten machen.

Die 55-Jährige weiß, wovon sie spricht: Sie hat selbst sechs Kinder - die jüngste Tochter ist siebzehn Jahre alt - und sechs Enkel. Jahrelang, so sagt Stewens selbst, sei sie gerne "Nurhausfrau" gewesen. Mit 19 Jahren wurde sie zum ersten Mal schwanger und heiratete ihre Jugendliebe Martin, einen Juristen.

Zur Politik kam sie über den Elternbeirat. 1975 eroberte sie eine Männerbastion: Sie wurde die erste weibliche Kreisvorsitzende der Jungen Union in Bayern. Dann engagierte sich die Oberbayerin politisch vor allem auf kommunaler Ebene. Im Münchner Vorort Posing saß sie 15 Jahre im Gemeinderat, bevor sie in den Landtag einzog und 1998 Staatssekretärin im Umweltministerium wurde.

Seither hieß es in der CSU, Stewens verfüge über mehr politisches Talent als ihr Chef Werner Schnappauf. Die quirlige Frau schien unterfordert. Mit einem weiteren Karriereschritt der Oberbayerin wurde allgemein gerechnet.

Auf CSU-Veranstaltungen wurde Stewens gerne als Vorbild gepriesen: Seht her, wie man politisches Engagement mit einer großen Familie verbinden kann. Auf dem vergangenen CSU-Parteitag in München fragte sie der Abgeordnete Markus Söder vor allen Delegierten: "Frau Stewens, sechs Kinder, wie macht man das?" Die sonst wortgewandte CSU-Politikerin blieb die Antwort schuldig und quittierte die Frage nur mit einem lauten Lachen.

Für Stoiber ist sie "eine zupackende Frau, die mitten im Leben steht". Das "Superweib der CSU": Die Frau, die Vorlage für einen Roman von Hera Lind sein könnte, ist sozial engagiert, stets modisch schick gekleidet, braun gebrannt und sportlich-durchtrainiert.

Skifahren und Leichtathletik sind neben der Politik auch ihre Hobbys. An Wochenenden trifft man sie öfters auf dem Sportplatz, wo sie die Sportler ihres Vereines anfeuert. Dem Zehn- und Siebenkampf gilt ihre besondere Aufmerksamkeit, da dies die Spezialdisziplinen ihrer Kinder sind. Die Zeit, die ihr neben ihrem Engagement beim Roten Kreuz noch bleibt, verbringt sie am liebsten zu Hause. Im Familienkreis, erzählt sie schmunzelnd, stähle sie sich für ihre Arbeit: Dort sei sie häufig härteren Diskussionen ausgesetzt als in der Politik. (DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2001)

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