Wollen Sie die Erde hören?

25. Jänner 2001, 12:43

Niederfrequenzen von Blitzen werden für das Ohr umgewandelt

Huntsville/Alabama - Wissenschaftler des Marshall Space Flight Centre (MFSC) senden Erdgeräusche über das Internet, die das menschliche Ohr nicht wahrnimmt. 24 Stunden täglich kann die natürliche Geräuschkulisse via VLF-Radio verfolgt werden.

"Das menschliche Ohr nimmt Radiowellen nicht direkt wahr. Sie werden aber mit Hilfe eines Niederfrequenz-Radiofunkempfängers umgewandelt", erklärte der Weltraum-Physiker Dennis Gallagher. Der Ursprung der meisten Niederfrequenzen seien Blitze, so der Physiker. Blitzschläge würden Breitband-Impulse der Radiowellen genau zu dem Zeitpunkt, wenn der Lichtblitz sichtbar wird, emittieren. "Werden diese von einem Radio registriert, klingen diese Signale wie gebratener Speck oder knisterndes Feuer", erläuterte Gallagher. Wissenschaftler bezeichnen die Klänge als "sferics", eine Abkürzung von "atmospherics".

Erdumkreisung

Diese niedrigen Frequenzen werden auch noch in einer Entfernung von Tausenden von Kilometern wahrgenommen. Manche von ihnen umkreisen sogar die Erde. Sie prallen auf die Erdoberfläche auf und werden wieder in die Ionosphäre abgestoßen, von wo sie wieder reflektiert werden. Als Ionosphäre wird die Atmosphäre ab einer Höhe von 90 Kilometer Erdentfernung bezeichnet.

Mit der richtigen Ausrüstung sei es einfach, Wellen einzufangen, so Gallagher. Blitze streifen die Erde rund 100 Mal in der Sekunde. "Die beste Zeit, sich die Erdgeräusche anzuhören, sind Sonnenauf- und untergang. Zu diesem Zeitpunkt bildet sich in der lokalen Ionosphäre der Elektronendichte-Gradient, der die Welle weiterleitet", erklärte der Astro-Physiker. (pte)

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    grafik: beyond2000
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