Der angekündigte Abschied

24. Jänner 2001, 07:20

Lorand Hegyi verlässt das Museum Moderner Kunst

Lorand Hegyi verlässt das Museum Moderner Kunst. Den Neubau im Museumsquartier wird der lang gediente Leiter noch einrichten. Markus Mittringer sprach mit Hegyi über die Rahmenbedingungen seines Abgangs.


Klagenfurt - Es stimmt. Lorand Hegyi verlässt das Museum Moderner Kunst Wien. Seinen Vertrag, der noch bis zum 31. 12. 2001 läuft, wird er einhalten. Und so dem Neubau im Museumsquartier seinen Stempel aufdrücken. Hegyi wird die Hängung der Sammlung und damit die erste zusammenhängende Präsentation seiner Ankaufstätigkeit noch selbst vornehmen.

Die Entscheidung, seinen Vertrag nicht zu verlängern, lag bei ihm. Für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer war eine Verlängerung bis 2003 beschlossene Sache. Allein: Lorand Hegyi wollte dieser Verlängerung nicht zustimmen. Sah diese doch in einem entscheidenden Vertragspunkt vor, dass er als Direktor die "Ausgliederung", also die Umwandlung des Museums in eine vollrechtsfähige wissenschaftliche Anstalt, vornehmen müsse. Das zu tun hat sich Hegyi schon im letzten Oktober im STANDARD-Interview entschieden geweigert:

"Ich wehre mich, einem politischen Druck nachzugeben, der Maßnahmen ohne realistische Einschätzung ihrer Auswirkungen fordert. Ich arbeite an der Eröffnung des neuen Hauses. Wenn das erledigt ist, wird man Zeit brauchen, um diese Ausgliederung zu überdenken. Ich will aber diesbezüglich keinen Vertrag unterzeichnen, weil ich das für unverantwortlich halte."

Dem Ministerium waren Hegyis Bedenken offensichtlich zu mühsam. Die Neuausschreibung seines Jobs soll bis März/April dieses Jahres erfolgen. Hegyi betonte gestern im Gespräch mit dem STANDARD, dass er für eine Übergangsphase, die seinem Nachfolger erlauben würde, sich einzuarbeiten, auch über die Gültigkeit seines Vertrags hinaus grundsätzlich zur Verfügung stünde. Allerdings nur als künstlerischer Leiter.

Die Verlängerung von Hegyis Vertrag als Direktor ist im Wesentlichen daran gescheitert, dass seine Forderung, den Posten eines kaufmännischen Direktors an seiner Seite auszuschreiben, nicht erfüllt wurde. Es würde in Hegyis Kompetenz liegen, entsprechende Personalbesetzungen vorzunehmen, hätte das Ministerium argumentiert. Hegyi betont demgegenüber, dass in seinem prospektiven Budgetrahmen schon das laufende Programm kaum zu gewährleisten gewesen wäre, geschweige denn, einen nach marktwirtschaftlichen Richtlinien bezahlten "Manager" anzustellen.

Ähnliche budgetäre Kleinlichkeiten hätten, so Hegyi, schon dazu geführt, dass dem, "ästhetisch hervorragenden" Neubau von Ortner & Ortner im Museumsquartier zumindest eine Depotebene fehlt. Das Museum im größten Kulturbau der Republik wird also weiter seine Bestände in einer Halle im Winterhafen speichern müssem. Das treibt nicht zuletzt die Versicherungssummen und damit die Betriebskosten in die Höhe.

Nicht nur das dürfte die Suche nach einem Nachfolger schwierig gestalten. Das Jobprofil setzt immense Kenntnisse der österreichischen Situation voraus. Kenntnisse, die etwa Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, sicher hat.

Der zieht aus den Folgen der "Ausgliederung", die er grundsätzlich begrüßt, allerdings als "höchst fahrlässig" durchgeführt sieht, zwar nicht Hegyis Konsequenzen, stellt aber demnächst für drei Monate den Ausstellungsbetrieb ein. Um "innezuhalten", um in den leeren Hallen mit Künstlern und Theoretikern "einen Weg, vielleicht sogar einen Ausweg" aus der aktuellen Situation zu suchen, jenseits der Guggenheimisierung der heimischen Anstalten. Weil ein betriebswirtschaftlicher Erfolg nicht die Aufgabe von Identität bedeuten darf.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. 01. 2001)

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    foto: standard/cremer
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