Die goldene Dame.

30. Mai 2001, 16:23
posten

Ein Roman über das Leben der Tamara de Lempicka von Elke Vesper

Der Stardesigner Wolfgang Joop sammelt sie, einige wenige Kenner bewundern ihre eindrucksvollen starken Frauenporträts, die Preise ihrer Ölbilder sind in den letzten Jahren angestiegen. Das alles kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihr Werk nicht in diesem Maß kunsthistorisch aufgearbeitet oder gewürdigt wurde, wie es ihm zustehen würde. Sie war schön, selbstbewusst, intelligent, malte schöne, sehr erotische Frauen, stand zu ihrer Bisexualität, hatte zahlreiche Affären mit ihren Modellen. Darüber hinaus erhielt sie durch ihre Arbeit ihre Familie. Ihre Kleidung war stets von ausgesuchter Qualität, ihr Auftreten entsprach ihrer aristokratischen Herkunft. Eine Frau mit soviel Glamour und Verführungskraft konnte einfach nicht auch noch eine gute Künstlerin sein. Und so vergaß die kunsthistorische Geschichtsschreibung geflissentlich in den meisten umfassenden Werken über die 20er Jahre in Paris ihren Namen zu erwähnen.

Paris um diese Zeit das war der frühe Pablo Picasso, Fernand Léger oder Maurice Denis. Doch zu ihrer Zeit war sie einer der Shooting Stars der Roaring Twenties. Sie tauchte in der Pariser Kunstwelt der 20er Jahre auf, um mit ihren eigenwilligen Bildern für Aufregung zu sorgen. Eine Femme fatale aus dem polnischen Großbürgertum, heftig umworben von der Pariser und Mailänder Aristokratie. Sie nahm und liebte, wen sie wollte. Selbst Lebemänner wie der Dichterstar d´Annunzio warben um sie heftig und vergeblich. Sie selbst schrieb einmal: Ich habe des Überlebens wegen angefangen, Bilder zu malen. Wenn mein Mann ein tüchtiger Ernährer für die Familie gewesen wäre, dann hätte die Malerin Tamara de Lempicka niemals das Licht der Welt erblickt. Und genau diese Beziehung zu Tadeusz Lempicki, den sie bereits mit 13 Jahren auf einem Ball im Hause ihrer Großmutter kennen lernte und auch sogleich beschloss ihn zu heiraten, steht im Mittelpunkt des Buches von Elke Vesper. Ihr biographischer Roman beginnt und endet mit der Scheidung von Tadeusz, die Anlass für Tamara wird, sich an die vergangene Zeit zu erinnern. Ihre Flucht aus Russland, ihre vergeblichen Versuche, in Paris Fuß zu fassen, ihre Ausbildung zur Malerin bei Maurice Denis. Immer wieder kommt sie trotz ihrer zahlreichen Affären zu Tadeusz zurück, der sie schlägt, ihre Erfolge nicht anerkennt und sie ständig demütigt. Ihre Beziehung zu ihrer Tochter Kizette ist ebenso von Spannungen geprägt. Der Roman ist sehr farbenreich und spannend. Leider fehlen jegliche Quellenangaben, sodass man die Recherchen der Autorin nicht nachvollziehen kann, ein Roman muss sich zudem ja auch nicht immer an genaue Fakten halten. Jedoch als Einstieg sehr gut. Er macht Lust mehr über diese ungewöhnliche Frau zu erfahren. Dazu zu empfehlen: Ganz brandneu Laura Claridge: Tamara de Lempicka: A Life of Deco and Decadence, Bloomsbury 2000 ISBN: 0-7475-4880-3 und die Biographie, die Kizette über ihre Mutter schrieb: Baroness Kizette de Lempicka-Foxhall, Charles Phillips: Passion by Design. The Art an Times of Tamara de Lempicka, Abbeville Press, 1998 ISBN 0789205033)

Übrigens ein Jahr nach ihrer Scheidung ehelichte Tamara de Lempicka Baron Kuffner und emigrierte mit ihm und ihrer Tochter 1939 nach Amerika. Sie starb nach einem bewegten Leben in Hollywood und New York im Alter von 81 Jahren in Mexiko. Auf ihren Wunsch hin wurde ihre Asche von ihrer Tochter und ihrem letzten Liebhaber über dem Krater des Popocatepetl geschüttet. Die Frau hat Stil nicht nur in ihren Bildern! (Silvie Steiner)
Elke Vesper
Die goldene Dame. Ein Roman über das Leben der Tamara de Lempicka
rororo Taschenbuch
463 Seiten, ATS 145,-
ISBN: 3-499-22673-1

Share if you care.