Bank Austria erwartet gute Konjunktur in Osteuropa

23. Jänner 2001, 14:41

Harte Landung der US-Wirtschaft würde Wachstum dämpfen - Aber "keine Katastrophe"

Wien - Mit einer weiterhin guten Konjunktur in Osteuropa rechnen die Volkswirte der Bank Austria. Sollten die USA ein Soft-landing mit einer Wachstumsrate von 2 Prozent erreichen, so wird die Wirtschaft in den CEEC-5 (Polen, Slowenien, Tschechien, Slowakei, Ungarn) 2001 um durchschnittlich 4,2 Prozent wachsen. Für den Fall eines Hard-landing der US-Konjunktur mit 1 Prozent Wachstum wird das die Region einen halben Prozentpunkt an Wachstum kosten, was aber "keine Katastrophe" wäre, so die Leiterin der volkswirtschaftlichen Abteilung der Bank Austria, Marianne Kager, am Dienstag bei der Präsentation der jüngsten Osteuropa-Prognose der Bank.

Es gebe zwar Auswirkungen für die Konjunktur in Osteuropa, diese hielten sich allerdings in Grenzen. Die Wahrscheinlichkeit des so genannten Crash-Szenarios einer harten Landung der US-Wirtschaft, das ein Wachstum in der Euro-Zone von 2,3 Prozent (2,7 Prozent beim amerikanischen Soft-landing) impliziere, geben die Bank Austria-Ökonomen allerdings nur mit 40 Prozent an. Im wahrscheinlicheren Hauptszenario zeige sich ein "rosiges Bild mit einigen Problemfeldern", so Kager.

Rumänien als Sorgenkind

"Sorgenkind" sei Rumänien, wo sich die Nachhaltigkeit der Reformen nicht einschätzen lasse. Seit dem Beginn der Transformation habe es beispielsweise fünf Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) gegeben, von denen kein einziges erfüllt wurde. Die Bank Austria erwartet hier mit 2,0 Prozent für 2001 auch das geringste Wachstum in Osteuropa. Selbst in Russland (2,8 Prozent) und in der Ukraine (3,0) dürfte die Wirtschaft trotz des erwarteten Nachlassens der guten Ölkonjunktur stärker wachsen.

Ein weiteres Problem sieht die Bank Austria im hohen Leistungsbilanzdefizit in Polen, das mittlerweile über 7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erreicht. In den anderen CEEC-5 liegt es bei rund 4 Prozent, was für die Bank Austria angesichts der höheren Wachstumsraten ein durchaus noch vertretbarer Wert ist. Es gebe zwei Trends: hohe Zinsen - die Realzinsen erreichen mit 10 Prozent den höchsten Wert in Osteuropa - sowie einen starken Zloty. Um die Binnenkonjunktur nicht ganz abzuwürgen, seien langsam Zinssenkungen nötig. Die hohen Zinsen haben die Investitionen eingebremst, die Bruttoanlageinvestitionen stiegen in Polen 2000 mit 3,5 Prozent weniger stark als das reale BIP mit 4,5 Prozent.

Getragen wird die gute Konjunktur in Osteuropa vor allem vom Außenhandel. Die Verflechtungen mit der EU habe mittlerweile in den meisten Staaten ein Niveau erreicht, das dem EU-Staaten untereinander entspreche. Die Exporte in Prozent des BIP liegen in der Slowakei bei 59,1 Prozent, in Ungarn und Tschechien bei je 58,3 Prozent, in Slowenien bei 54,4 Prozent. Nur in Polen liegt der Anteil deutlich niedriger bei 29,5 Prozent, was einerseits auf die Größe des Landes und andererseits auf den Aufbau von Klein- und Mittelbetrieben für den Heimmarkt zurückzuführen sei. Den höchsten Verflechtungsgrad mit der EU weist innerhalb der CEEC-5 Ungarn auf, dessen EU-Anteil am gesamten Außenhandel bei 76,2 Prozent liegt. Dahinter folgen Polen mit 70,5 Prozent, Tschechien mit 69,1 Prozent, Slowenien mit 66,1 Prozent und die Slowakei mit 59,4 Prozent. (APA)

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