Österreichs Pfusch-Quote nur 60 Prozent des OECD-Niveaus

23. Jänner 2001, 14:36

Schneider: Abgaben senken und Pfusch-Dienste in legale Wirtschaft umlenken

Wien - Obwohl hierzulande jeder Zehnte im erwerbsfähigen Alter pfuscht, die Schwarzarbeit Jahr für Jahr zunimmt, zählen die Österreicher im OECD-Bereich eigentlich noch immer zu den Musterschülern. Österreichs "Pfusch-Quote" (also das Volumen der Schattenwirtschaft in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) erreichte im Schnitt der Jahre 1999/2000 mit 9,8 Prozent kaum 60 Prozent des Durchschnitts aus 21 untersuchten OECD-Ländern (16,7 Prozent). Österreich lag damit im unteren Drittel.

Spitzenreiter im "Schwarzverdienen" sind die südeuropäischen Länder, deren Schattenwirtschaften zwischen 25 und 30 Prozent des offiziellen BIP ausmachen. Danach folgen die Skandinavier (zwischen 17 und 19 Prozent). Bei den deutschsprachigen Nachbarn liegt die Schweiz (8,6 Prozent) unter dem für Österreich ermittelten Wert, während Deutschland mit der Größe seiner Schattenwirtschaft (16 Prozent) merklich darüber liegt, jedoch nur marginal über dem OECD-Mittelwert.

Österreich, und auch die Schweiz, sind freilich am Aufholen: Im laufenden Jahr 2001 wird sich nach Schätzungen des Volkswirtschafters Friedrich Schneider von der Johannes Kepler-Universität Linz in Österreich die Schwarzarbeit von im Vorjahr 272 Mrd. S (19,8 Mrd. Euro) auf 291 Mrd. S erhöhen. Bei diesem Zuwachs um 6,6 Prozent hieße das, dass die Schattenwirtschaft zweieinhalb mal schneller wachsen dürfte als die offizielle Wirtschaft. Als Hauptgrund machen die Wissenschafter die stark gestiegene Steuer- und Abgabenbelastung als Folge der Budgetsanierung aus.

Wissenschaft: "Legalize it"

"Eindeutig" zeige sich, dass die Schattenwirtschaft in den meisten OECD-Ländern gegen Ende der 90er Jahre stagniert habe oder sogar leicht rückläufig war: Im ungewichteten Schnitt aus 21 OECD-Ländern von 16,8 Prozent (1997/98) auf 16,7 Prozent in den Jahren 1999/2000. Weiter steil bergauf ging es im Pfusch zuletzt jedoch in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Der Linzer Volkswirtschafter Friedrich Schneider rät den Verantwortlichen in den drei deutschsprachigen Ländern, aus dem weiteren Anwachsen der Schwarzarbeit Lehren zu ziehen:

Nur eine konsequente Absenkung der Abgaben (Steuern und Sozialversicherungsbeiträge) auf den "Faktor Arbeit" könne das Wachstum der Schattenwirtschaft weiter eindämmen oder zum Stagnieren bringen.

Wie legalisieren?

Außerdem sollte darüber nachgedacht werden, durch welche Maßnahmen die vielen Dienstleistungen, die heute schwarz erbracht würden, "legalisiert" werden könnten. Es müsse für die offizielle Wirtschaft attraktiv werden, diese Leistungen anzubieten.

Schneiders Resümee: "Nur wenn diese beiden Wege konsequent weiter beschritten werden, kann erreicht werden, dass die Schattenwirtschaft zumindest nicht mehr schneller wächst als die offizielle Wirtschaft."

Das Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität Linz hat den Umfang der Schattenwirtschaft im internationalen Vergleich im so genannten "Bargeldansatz" erhoben. Darin wird davon ausgegangen, dass die schwarz erbrachten Leistungen bar entlohnt werden, und dass es mit Hilfe einer Bargeldnachfrage-Funktion gelingt, diese bar entlohnten Leistungen zu schätzen. Daraus wird das Schwarzarbeitsvolumen berechnet.

(APA)

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