Gregory Corso, einer der "echtesten" der Beat-Poeten (1930-2001)

24. Jänner 2001, 20:43

Rüdes Leben, rüde Lyrik

New York - Der amerikanische Lyriker Gregory Corso, neben Allen Ginsberg und Jack Kerouac einer der bedeutendsten Autoren der Beat-Generation, ist nach Angaben der "New York Times" im Alter von 70 Jahren am Mittwoch in Robbinsdale im US-Bundesstaat Minnesota an einem Krebsleiden verstorben.

Corso, Sohn italienischer Einwanderer, fand nach einer schweren Jugend erst im Gefängnis über die Lektüre Dostojewskijs und Stendhals zur Literatur. Angeblich verbrachte er einmal Monate hintereinander in der Bibliothek der Harvard Universität und verschlang alles, was er in die Hand bekam.

Vom Beat-Leithammel Ginsberg bezog Corsos die Erkenntnis, dass ein Dichter nicht unbedingt reimen muss, um sich mitzuteilen. Seine oft bewusst schockierende Lyrik zeichnet sich durch scharfe satirische und zeitkritische Züge aus. Anders als viele Beat-Autoren mit ihrem mild-akademischem Background kannte er das Leben von einer raueren Seite. Bevor er mit Ginsberg und Kerouac Freundschaft schloss, hatte er sich als Ladendieb, Stricher und Matrose über Wasser gehalten und war auch zeitweise Insasse einer Anstalt für Geisteskranke.

Corso brachte 13 Gedichtbände heraus. Der erste mit dem "The Vestal Lady on Brattle" erschien 1955. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören die Verse aus den Sammlungen "Gasoline" (1958), "The Happy Birthday of Death" (1960), "Long Live Man" (1962), "Elegiac Feelings American" (1970) und "Herald of the Autochthonic Spirit" (1981). Daneben schrieb Corso das Bühnenstück "This Hung-up Age" (1955) und den Roman "The American Express" (1961). In deutscher Übersetzung ist der Band "In der flüchtigen Hand der Zeit" 1983 im Limes Verlag erschienen. (dpa)

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    foto: www.english.uiuc.edu/arthur winfield knight
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