Neue Technik zur Netzhaut-Ablösung

22. Jänner 2001, 12:34

Methode beschleunigt Augenoperationen - Weniger Komplikationen

Leipzig - Ein Forscherteam um Peter Wiedemann von der Augenklinik der Universität Leipzig und um Andreas Reichenbach vom Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung hat eine neue Operationstechnik entwickelt und erfolgreich ausgetestet. Damit lässt sich die Netzhaut des Auges in bedeutend kürzerer Zeit vom Augenhintergrund ablösen als bisher möglich. Für die Methode, die in zahlreichen Augenoperationen eingesetzt werden kann, hat die Universität Leipzig jetzt ein Patent erhalten.

Die Ablösung der Netzhaut (Retina) vom so genannten retinalen Pigmentepithel (RPE), der auf den Photorezeptoren der Netzhaut aufliegenden Schicht, nehmen Augenmediziner seit einigen Jahren vor. Durch das Trennen und ein um einen 15°-Winkel gedrehtes Wiederzusammenbringen der beiden Schichten lässt sich beispielsweise die häufigste Ursache der Erblindung in der westlichen Welt heilen, die Degeneration der Makula, des Flecks des schärfsten Sehens im Auge. Durch das Drehen der beiden Schichten zueinander findet sich nach der Operation wieder intaktes, nicht degeneriertes RPE unter der Makula. Einziger Nachteil des bisherigen Verfahrens, bei dem die Mediziner handelsübliche Infusionsflüssigkeit zwischen die Schichten bringen: Die Netzhautablösung dauert rund eine Stunde, in der es zu verschiedenen Komplikationen kommen kann.

Die neue Methode aus Leipzig hingegen ersetzt das Augenwasser und den so genannten Glaskörper des Auges, der zu 99 Prozent aus Wasser besteht, durch eine Calcium- und Magnesiumfreie Flüssigkeit. Dadurch löst sich offenbar der "Klebstoff" auf, der RPE und Retina zusammenhält, berichten die Forscher. Wiedemanns Arbeitsgruppe nahm nach einem Hinweis des Neurophysiologen Andreas Reichenbach diese Präparationstechnik auf, die in Experimenten gang und gäbe ist, und testete sie an der Netzhaut von Kaninchen. Unter dem Rasterelektronenmikroskop (REM) bestätigte sich dass die Methode funktionierte und die Ablösedauer deutlich verkürzte. Zudem bestätigte sich dabei, dass die Netzhaut durch das Verfahren keinen Schaden nimmt. (pte)

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