Kloiber will Kirch von EM.TV fernhalten

22. Jänner 2001, 12:02

Gespräche über Alternativlösungen zu Kirch-Einstieg

München - Der Medienunternehmer Herbert Kloiber hat erstmals ausdrücklich erklärt, einen Einstieg seines größten Konkurrenten Kirch bei der angeschlagenen EM.TV & Merchandising AG verhindern zu wollen. "Ich will EM.TV von der Kirch-Gruppe fernhalten", sagte der Filmrechtehändler dem "Handelsblatt".

EM.TV zeigte sich nach eigenen Angaben nicht überrascht von den Aussagen Kloibers. Die Einstellung des Medienunternehmers zu Kirch sei in der Branche bekannt, sagte ein Sprecher von EM.TV. An Kloibers Tele-München Gruppe (TMG) ist EM.TV mit 45 Prozent beteiligt. Der Anteil sollte nach dem geplanten Einstieg Kirchs an Kloiber zurückgegeben werden, um kartellrechtliche Probleme zu vermeiden. Der Kurs der EM.TV-Aktie stieg am Montag um 8,6 Prozent auf 8,47 Euro.

Exklusivgesprächen mit Kirch

Kloiber selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In Kreisen war spekuliert worden, Kloiber könnte Schwierigkeiten haben, den Rückkauf des EM.TV-Anteils zu finanzieren. EM.TV war bei Tele München für 800 Mill. DM (409 Mill. Euro/5,63 Mrd. S) eingestiegen, allerdings bevor TMG den Spartensender "tm3" für 350 Mill. DM an den amerikanischen Medienunternehmer Rupert Murdoch verkauft hatte. Der EM.TV-Sprecher bekräftigte am Montag erneut, an den bis Ende Jänner anberaumten Exklusivgesprächen mit Kirch fest halten zu wollen.

Kloiber und EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker sollen sich den Angaben aus Branchenkreisen zufolge in der vergangenen Woche mit Vertretern der Investmentbank Hellman & Friedman über eine Alternativlösung zum Einstieg von EM.TV gesprochen haben. Kirch und EM.TV verhandeln seit Anfang Dezember, Kirch hatte in der vergangenen Woche erklärt, die Gespräche seien "in einer kritischen Phase".

In den Gesprächen sollen Kloiber und Becker angeboten haben, der Bank den EM.TV-Anteil an der Formel-Eins-Holding SLEC zu verkaufen und im Gegenzug unter anderem zu erreichen, dass der SLEC-Miteigentümer Bernie Ecclestone auf sein Recht verzichtet, EM.TV weitere 25 Prozent an der SLEC für knapp eine Mrd. Dollar (1,1 Mrd. Euro/14,6 Mrd. S) verkaufen zu können. Sollte Ecclestone auf dieses Recht verzichten, wäre EM.TV ihrer Ansicht nach nicht mehr auf einen finanzkräftigen Partner wie etwa Kirch angewiesen. Unter anderem will Kirch knapp die Hälfte der 50-Prozent-Beteiligung von EM.TV an der SLEC übernehmen. (APA/Reuters)

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    foto: em.tv
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