So gelingt der Quereinstieg in die Wirtschaft

16. November 2001, 10:29
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Einem Theologen billigen Personalisten soziale Intelligenz zu, dem Archäologen den Blick für’s Detail, dem Philosophen Reflexionsstärke und Verständnis komplexer Zusammenhänge. Klischees zwar, die aber als Basis bei der Überlegung dienen, welchen Zusatznutzen der Quereinsteiger einem Unternehmen bringen kann.

Blindbewerbung: In stagnierenden Branchen übersteigt das Angebot die Nachfrage. In boomenden Bereichen wie der Telekommunikation oder der Beratung herrscht Personalknappheit. Bei der Auswahl eines künftigen Arbeitgebers gilt es, sich selbst die Treue zu halten: Ein pazifistischer Priester, der sich um einen Job in der Rüstungsindustrie bewirbt, ist unglaubwürdig.

Stellenanzeige: Bezieht sich ein Doppeldoktor in einer Bewerbung auf ein Inserat in der Tageszeitung X, das aber ausschließlich im Standard geschaltet wurde, lässt das Rückschlüsse auf seine Genauigkeit zu und signalisiert - wie auch Uninformiertheit über das inserierte Jobprofil - Orientierungslosigkeit. Der Kandidat wirkt suspekt.

Bewerbungsgespräch: Jetzt ist es an der Zeit, einen zweiten Lebenslauf zu präsentieren und nicht die fachlichen Qualifikationen, sondern - losgelöst vom Studium - die persönlichen Fähigkeiten herauszukehren. Diese gilt es zu definieren und in Kontext mit den Zielen des Arbeitgebers und dem eigenen Lebensplan zu bringen. Im Idealfall bilden die völlig neuen Sichtweisen eines Quereinsteigers einen Kreativitätstank und Innovationsmotor.

Killerargumente: Häufig scheitert der Quereinstieg am Urteil "nicht genügend qualifiziert" oder "überqualifiziert". Wer kein Matching der eigenen Fähigkeiten und der Anforderungen der ausgeschriebenen Position zustande bringt, handelt sich Frustration ein.

Gehalt: Ein Quereinsteiger soll sich nur dann mit einer unter dem Branchendurchschnitt liegenden Kompensation zufrieden geben, wenn er sich dabei nicht selbst verleugnen muss. Wer zu diesem Zeitpunkt aber gleich einen Karriereplan vorlegt, signalisiert wieder zusätzlich Engagement.

Reflexion: Stimmt der Istzustand mit meinen Erwartungen oder beruflichen Zielen überein? Diese Feedbackschleife sollten nicht nur Quereinsteiger regelmäßig ziehen.

(Mag. Martin Röhsner, Geschäftsführer von "die Berater", Wipplingerstraße 32, Tel: (01) 532 45 45-0 (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

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