Monika Forstinger hat Jörg Haider verärgert

17. Jänner 2001, 19:16

Blaues Urgestein im Zentrum des blauen Konflikts

Landeshauptleute reizt man nicht. Besonders nicht, wenn sie Jörg Haider heißen: Diese Lektion hat Verkehrsministerin Monika Forstinger in der von ihr verordneten Nachdenkpause über die Südbahn gelernt. Will doch Haider nicht mehr denken, sondern bauen lassen, und zwar flott. Alles andere sei eine "persönliche Beleidigung des Kärntner Landeshauptmannes" und habe Konsequenzen - bis hin zum Ende der Koalition.

Und so steht die Ministerin zwei Monate nach ihrem Amtsantritt mitten in ihrem ersten blau-blauen Koalitionszwist, kann nur etwas von "Missverständnis" tönen und hoffen, dass sie Haider beim Vieraugengespräch am Freitag wieder beruhigen kann.

Bei manch anderen ist ihr das nicht geglückt: Ein gewisses Talent, sich unbeliebt zu machen, ist der Oberösterreicherin nicht abzusprechen. Die Personalfluktuation in ihrem Ministerium kommt einem Exodus nahe, vom Kabinettschef bis zur Chefsekretärin reicht die Liste der Ex-Forstinger-MitarbeiterInnen. So viele Exvertraute können gefährlich sein: Dass derart viele Geschichten über den angeblich skurrilen Führungsstil der Exmanagerin Forstinger kursieren - vom Minirock-und Stöckelschuhverbot in ihrem Büro bis zu angeblichen Tobsuchtsanfällen -, könnte mit der Zahl der Kündigungen und Gekündigten in Zusammenhang stehen.

Sie sage nichts Schlechtes über MitarbeiterInnen, recht viel mehr an Kommentar will Forstinger zu derartigen Geschichten nicht abgeben. Nur noch, dass sie sich ein wenig mehr Respekt vor der Privatsphäre erwartet habe. Wen gehe es schon etwas an, dass sie in einer Wohnung von Thomas Prinzhorn wohnt?

Das sehen manche Parteifreunde anders, die argwöhnisch von zu großem Einfluss des Papierindustriellen Prinzhorn auf die ehemalige Papierindustriemanagerin Forstinger flüstern - und Haiders Attacken auf Forstinger als Stellvertreterkrieg gegen Prinzhorn interpretieren.

Forstinger bemüht sich, so zu tun, als würde ihr all das Gerede nichts anhaben. Setzt das ernste Managerinnengesicht auf, schaut noch ein bisschen strenger als sonst und erinnert daran, dass sie eine Powerfrau ist: Bodenkultur studiert hat, Uni-Assistentin war und ab 1991 in der Papierfabrik Laakirchen gearbeitet hat, zuletzt zuständig für die Umweltbilanzen aller 250 Standorte des Konzerns.

Warum sie in die Politik wechselte, hat die kinderlose 37-Jährige bei ihrem Amtsantritt so begründet: weil sie "freiheitliches Urgestein" sei und weil es in nicht einfachen Zeiten wichtig sei, sich zu einer Gesinnungsgemeinschaft zu bekennen. Das ist zwei Monate her. Damals stritten Jörg Haider, Parteichefin Susanne Riess-Passer und Thomas Prinzhorn eher noch darum, wer denn Forstinger entdeckt habe. Jetzt streitet Haider mit ihr.

(Eva Linsinger)

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.01. 2001)

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