Der rasende Kameramann Stefan Illek

17. Jänner 2001, 15:45

"Am Hausberg siehst nur noch das Dorf, keine Piste mehr unter dir und stürzt dich runter wie bei den Niagara-Fällen"

Kitzbühel - Viele Profis schaffen auch nach jahrelangem Training die Streif mit zwei Stöcken nicht. Stefan Illek hingegen meistert Mausefalle, Steilhang und Hausberg seit Jahren mit nichts als einer 50.000 S teuren Kamera in der Hand. Der Österreicher ist jener furchtlose Typ, der - bevor die Stars um Siege und Preise fahren - für den ORF die Bilder aus der Sicht der Rennfahrer liefert.

Bemerkenswert ist das allein schon deshalb, weil Illek zwar ein talentierter Nachwuchsfahrer war, seine größten Erfolge aber als Grasskifahrer hatte und dort sechsfacher Junioren-Weltmeister war. Doch wichtiger als vergangene Siege sind für diesen Job eine sichere Fahrweise, liefert der 23-jährige Steirer aus Mariazell ("Ich bin ein sicherer Springer") doch die Live-Bilder für ein Millionen-Publikum. Seit 1996 (St. Anton) ist Stefan das "rasende Kamerakind" des ORF bei fast allen Österreich-Rennen.

Auch bei Illek dreht sich die Welt um Kitzbühel. Sein Hahnenkamm-Debüt hatte er 1996, ausgerechnet in jenem Jahr, als auf blankem Eis viele Fahrer stürzten. Wie gut, dass er seine Vorbehalte ("Am Start hältst du es für unmöglich, aber dann hast eh keine Zeit mehr zum Fürchten") schon im Training als Vorläufer abgelegt hatte, obwohl einer seiner Kollegen bei der Besichtigung zur Seidlalm abbog und seitdem nie wieder gesehen wurde.

Durch die vielen Stürze im Rennen mussten die Vorläufer damals immer wieder zum Start, was einige so auslaugte, dass nur noch Illek über blieb. Gleich vier Mal hat er damals die Streif innerhalb von nur zwei Stunden im Renntempo bewältigt. Aber das gab ihm auch die Sicherheit - was zunächst für unmöglich gehalten wurde - den Hahnenkamm später nicht mehr mit der Helm- sondern mit der Handkamera hinunter zu rasen. Was eine eigene Ausgleichs-Technik verlangt, die Illek mittlerweile perfektioniert hat.

Illek liefert nicht nur Bilder, er dreht natürlich auch seinen persönlichen Spielfilm. Favorit ist die Hausberg-Kante. "Dort hin zu kommen ist wie ein Neustart. Du siehst nur noch das Dorf, keine Piste mehr unter dir und stürzt dich runter wie bei den Niagara-Fällen." (APA)

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