Möbelindustrie blickt auf ein gutes Jahr zurück

17. Jänner 2001, 11:24

Abflauen der Konjunktur wird spürbar - Wohnen gewinnt für Österreicher immer mehr an Bedeutung

Aber Köln/Linz - "Wir können auf ein gutes Jahr zurück blicken", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Möbelindustrie, Erwin Berghammer, vor Journalisten am Dienstag auf der Internationalen Möbelmesse in Köln. Die Exporte seien 2000 um 5,8 Prozent auf 4,2 Mrd. S (305 Mill. Euro) gestiegen, der Produktionswert um 4,2 Prozent auf 13,1 Mrd. S gewachsen.

Am heiß umkämpften heimischen Möbelmarkt konnten die österreichischen Hersteller jedoch nur leichte Gewinne erzielen. Im vergangenen Jahr stieg der Anteil österreichischer Produktionen ohne Objektmöbel um 1,7 Prozentpunkte auf 50,7 Prozent. Der Markt für Küchen- und Badezimmermöbel wird mit über 70 Prozent von heimischen Produzenten dominiert, im Wohnmöbelbereich sind es knappe 60 Prozent. Bei den Sitzmöbeln dominieren ausländische Anbieter, der Inlandsmarktanteil liegt bei 13 Prozent.

Konjunktur flaut ab

Dennoch habe man laut Berghammer die Importflut stoppen können. Im Jahr 2000 wurden Möbel im Wert von 8,7 Mrd. S importiert, was einem Rückgang von 8,6 Prozent entspricht. Das Handelsbilanzdefizit in diesem Bereich konnte somit gegenüber dem Jahr zuvor um fast 20 Prozent auf 4,5 Mrd. S gesenkt werden. Allerdings bekomme jetzt auch die heimische Möbelindustrie das Abflauen der Konjunktur zu spüren: Das österreichische Marktvolumen ohne Büromöbel, Drehstühle und Ladenbau ist im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 17,6 Mrd. S gesunken.

Wohnen beginnt an Bedeutung

"Nicht nur der Preis darf ein Kaufgrund sein", betonte Berghammer. Wenn es um das Wohlbefinden geht, sollten Konsumenten bereit sein, zehn Prozent mehr als sonst auszugeben. Laut einer aktuellen Studie des Linzer Meinungsforschungsinstitutes "market" gewinnt Wohnen für 47 Prozent der Österreicher immer mehr an Bedeutung. 55 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass den Selbstabholern im Möbelhandel die Zukunft gehört.

"Wohnraum ist Entschleunigungsraum", meinte Werner Beutelmeyer, Leiter des "market"-Institutes. Wohnen sei "ein Raum, in dem die Zeit stehen bleibt und man Kraft tanken kann". Der Wohnraum sei laut Beutelmeyer Sinnlichkeits- und Individualitätsraum. "Es geht um Design, Oberfläche und Farben", sagte der Meinungsforscher. "Man muss Wohnen fühlen, riechen und schmecken."

Konzentration im Handel macht Industrie Sorgen

Die voranschreitende Konzentration im Handel macht der Möbelindustrie Sorgen, berichtete der stellvertretende Geschäftsführer der Sektion Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Heinrich Reinthaler, in Köln. Dort ist die österreichische Möbelbranche mit insgesamt 31 Unternehmen - noch bis einschließlich Sonntag - vertreten. (APA)

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    foto: cremer
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