"Humankapital" - ein Fremdwort für viele heimische Unternehmer

16. Jänner 2001, 08:37

Laut Studie können 58 Prozent der Betriebe mit dem Begriff nichts anfangen

Wien - Während das "Humankapital", die berufliche Qualifikation der Mitarbeiter, in einigen Staaten und bei internationalen Konzernen bereits zum fixen Bestandteil der Businesspläne geworden ist, tut sich Österreichs Wirtschaft zum Teil offensichtlich noch schwer damit: 58 Prozent der heimischen Unternehmer können mit dem Begriff überhaupt nichts anfangen, ergab eine Studie der AUVA und der Akademie für Arbeitsmedizin.

Der Wert eines Mitarbeiters

Erst auf Nachfrage gaben 60 Prozent der Befragten an, intellektuelles beziehungsweise menschliches Kapital habe für sie große Bedeutung, so Karl Hochgatterer, Präsident der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin (AAm) in Klosterneuburg. 26 Prozent messen den Mitarbeitern überhaupt "wenig Wert" fürs Unternehmen bei. Ein großes Missverständnis tut sich auch beim Begriff Arbeitsmedizin auf: "Die Studie hat auch gezeigt, viele Betriebe meinen, der Arbeitsmediziner ist der verlängerte Arm des Arbeitsinspektorats", erläuterte AAm-Geschäftsführerin Brigitte John-Reiter. 76 Prozent der Unternehmen assoziieren mit Arbeitsmedizin die Einhaltung - lästiger - gesetzlicher Vorgaben.

Arbeitsmedizin steigert Leistungsfähigkeit

Unterschätzt werde vor allem die Rolle der Arbeitsmedizin als Beitrag zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, die über die klassische Unfallprävention hinausgeht und auch Faktoren wie Betriebsklima, Zeitdruck und Mobbing berücksichtigt. Nur knapp jeder dritte Betrieb sieht die Arbeitsmedizin auch als Managementinstrument.

0,6 Stunden pro Mitarbeiter im Jahr

Plänen zu einer Reduzierung des Anspruchs auf die Betreuung durch Arbeitsmediziner - derzeit sieht das Arbeitnehmerschutzgesetz eine Verfügbarkeit von 0,6 Stunden pro Mitarbeiter im Jahr vor - steht John-Reiter skeptisch gegenüber. "Die Mindesteinsatzzeiten sind vor allem für die Unbelehrbaren." Am gesetzlichen Mindestauftrag könne sich die Sorge auch nicht erschöpfen: "Es wäre auch so gedacht, dass das Unternehmen selbst auf den Arbeitsmediziner zugeht uns sagt: Wir haben hier ein Problem, wie können wir das lösen?"

Investitionen

Die AUVA will bis 2002 rund 330 Millionen Schilling in kostenlose sicherheitstechnische und arbeitsmedizinsiche Beratung investieren, so AUVA-Direktor Univ.Prof. Dr. Norbert Winker. Erreicht werden sollen österreichweit rund 250.000 Betriebe. In der Wiener Zentrale wird außerdem Eigenforschung betrieben, etwa im Bereich der Erarbeitung von Grenzwerten bei schädigenden Stoffen und der Erstellung von Studien. (APA)

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