Häkkerup übernimmt UNO-Verwalter-Amt von Kouchner

15. Jänner 2001, 15:52

Däne will rechtlichen Rahmen für Wahlen schaffen

Pristina - Der Däne Hans Häkkerup hat am Montag seinen Posten als neuer UNO-Verwalter für das Kosovo übernommen und damit Bernard Kouchner abgelöst. Er wolle einen rechtlichen Rahmen für Parlamentswahlen schaffen, bevor er einen Termin für die Abstimmung festlegt, sagte Häkkerup in Pristina. "Es ist bereits gute Arbeit geleistet worden", lobte er die Arbeit seines Vorgängers. Häkkerups Hauptaufgabe wird sein, der Gewalt in der überwiegend von Albanern bewohnten Provinz ein Ende zu setzen und den Weg für die Rückkehr von 200.000 serbischen Flüchtlingen zu bereiten. Zudem muss er eine Lösung für den Konflikt in der Pufferzone zwischen Südserbien und dem Kosovo finden, wo sich Rebellen seit Wochen Gefechte mit der serbischen Polizei liefern. Für Dienstag kündigte Häkkerup Gespräche mit dem gemäßigten Albanerführer Ibrahim Rugova und dessen Gegenspieler Hashim Thaci an.

"Meine Aufgabe ist es, ein sicheres Umfeld zu schaffen, und das wird noch einige Zeit dauern", sagte der frühere dänische Verteidigungsminister auf die Frage nach der Rückführung von mehr als 200.000 Serben und Nicht-Albanern. Sie waren nach dem Ende des Kosovo-Krieges im Juni 1999 vertrieben worden oder waren geflohen. Bereits bei seiner Nominierung im Dezember hatte Häkkerup betont, sich "gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft für die Sicherheit und die Wiederherstellung des Rechtsstaats" im Kosovo einzusetzen.

Sicherheitsexperte

Der 55-Jährige gilt als anerkannter Experte in Sicherheitsfragen. Er arbeitete für die NATO, die Vereinten Nationen und das US-Verteidigungsministerium. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Kouchner gilt er als kamerascheu und zurückhaltend. Nach Ansicht von Kouchner-Kritikern bringt Häkkerup die Strenge und Entschlossenheit mit, die dem Franzosen manchmal gefehlt habe.

Kouchner zu nah und nachgiebig

Kouchner, dem oft Nachgiebigkeit und zu große Nähe zu den Albanern nachgesagt wurde, verwaltete die Provinz 19 Monate lang im UNO-Auftrag. In dieser Zeit wurden die dringendsten Aufgaben wie Häuserbau, Einrichtung von Gemeinderäten und die Rückkehr von 800.000 Flüchtlingen bewältigt sowie der Grundstein für ein Justizsystem gelegt. Kouchner selbst gab zu, beim Minderheitenschutz versagt zu haben. 200.000 Serben flohen seit dem Ende des Kriegs aus der Provinz, die verbliebenen 100.000 leben in dem Gebiet um Kosovska Mitrovica oder in Enklaven, die sie nur unter dem Schutz von KFOR-Soldaten verlassen wollen. Als größten Erfolg verbuchte Kouchner die friedlich verlaufenen Kommunalwahlen vom 28. Oktober, bei denen die Partei des gemäßigten Albanerführers Rugova gewonnen hatte.

UCPMB zu Verhandlungen bereit

Die in Südserbien kämpfende albanische Untergrundorganisation UCPMB zeigte sich zu Verhandlungen mit Belgrad unter internationaler Vermittlung bereit. Die Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac "will eine politische Lösung", sagte einer ihrer Anführer, Behlul Nasufi, der Nachrichtenagentur AFP. Bedingungen dafür seien jedoch die Entmilitarisierung des Gebiets, die Entsendung internationaler Beobachter und die Bildung einer örtlichen Polizei, die zu 95 Prozent aus Albanern bestehe. Bei den Gefechten zwischen Rebellen und der serbischen Polizei in der Pufferzone wurden bereits mehrere Menschen getötet. Ziel der UCPMB ist es, die Grenzregion mit dem Kosovo zu vereinigen. (APA)

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