Sir Denys Lasdun, Architekt der Ära des Skeptizismus (1914-2000)

12. Jänner 2001, 19:19

Innovativer Kreator urbaner Landschaften

London - Der britische Architekt Sir Denys Louis Lasdun, dessen bekanntestes Projekt das 1967-1976 erbaute Nationaltheater am südlichen Londoner Themse-Ufer ist, ist im Alter von 86 Jahren an einer Lungenentzündung verstorben.

Lasdun, einer der Pioniere der modernen Baukunst in Großbritannien, begann seine Laufbahn in den Dreißiger Jahren unter dem Eindruck von Le Corbusier und der kubistischen Bewegung. Offene, eine Art urbane Landschaft bildende Sichtbetonstrukturen mit auskragenden Ebenen gehören zu konsequent vertretenen Neuheiten seiner innovativen "brutalistischen" (von 'brut' = 'roh', nicht 'brutal') Architektur. Zu architekturhistorisch wichtigen Werken zählen auch das Londoner Royal College of Physicians (1960-1964) und die 1963-1972 erbaute University of East Anglia in Norwich. Sir Norman Foster würdigte den Verstorbenen in einer Stellungnahme als Architekten von Weltklasse, der großen Einfluss gehabt habe.

Lasdun selbst , ein "Architect in the Age of Scepticism" (so ein Buchtitel), bezeichnete seine Bauwerke einmal schlicht als "Kombinationen des Vertikalen und des Horizontalen". Das Nationaltheater, ein geometrischer Betonbau, war für ihn "eine Architektur nicht aus Fassaden, sondern aus Schichten wie in der Geologie, die sich in die umliegende Stadt- und Flusslandschaft einfügen". In den Augen von Prinz Charles anderseits bedeutete es bloß "eine gelungene Art, mitten in London ein Kraftwerk zu bauen, ohne dass jemand widerspricht".

"Er war der letzte seiner Generation", meinte Gavin Stamp, Präsident der "20th Century Society", der "Gesellschaft zur Rettung des Erbes des 20. Jahrhunderts". (APA/AP/hcl)

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