Busen sucht Kreditkarte

12. August 2003, 11:30
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Eva Linsinger über "Hochzeits-Shows" und die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau

Früher war die Rollenverteilung klar: Männer verdienten das Geld, Frauen mussten kochen, dekorativ aussehen und ansonsten nicht viel mehr als gut zuhören können. Mit den ausdifferenzierten Geschlechterrollen ist alles komplizierter geworden: Frauen bescheiden sich nicht mehr mit Töpferkursen, haben eigene Meinungen und eigenes Geld - kurz: Männer und Frauen verstehen einander nicht mehr.

Außer im Fernsehen. Dort gibt es noch "Traummänner" und "Märchenprinzen", die den bestechenden Vorzug haben, Millionär zu sein und über goldene Kreditkarten zu verfügen, und die sich in multimedialen Menschenhandelssendungen wie "Ich heirate einen Millionär" (Ehe-)Frauen suchen. Aussuchen - aus 50 Kandidatinnen, die vor allem die Eigenschaften haben, sehr blond oder sehr schwarz zu sein und sehr gut im Bikini auszusehen. Dämliches Lächeln ist keine Grundvoraussetzung, geheiratet zu werden, schadet aber auch nicht, die zwei Stunden Brautschau zu überstehen. Welch wunderbar modernes Frauenbild, das die Fernsehsender da vermitteln - die "Tutti-Frutti"-Girls waren dagegen nachgerade Radikalemanzen.

Was mit "Big Brother" durchstartete, trivialisiert und kannibalisiert sich weiter. Nur noch 17 Tage bis zur nächsten Reality-Show, nur noch 17 Tage bis "Girls Camp", eine Serie, in der sich Frauen meist am Strand räkeln und sehnsüchtig auf den Lover warten, der am Wochenende eingeflogen wird. Nur noch 17 Tage, wie es der Fernsehsender ankündigt, bis "G-Day". Sexuelle Anspielung verstanden? Wird sicher auch sehr lustig.

Noch lustiger ist nur, dass die schlechte alte Welt nicht einmal im TV mehr stimmt: Die Busen waren nicht echt, die Kreditkarte nicht gedeckt - und vor der Hochzeit hat der Millionär auch gekniffen.

09.01.2001
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