Der Mahlzahn der Säugetiere

26. Jänner 2001, 21:46

... so praktisch, dass er gleich zweimal entwickelt wurde?

Oklahoma City - Die wahren evolutionären Fortschritte finden meist im Kleinen statt - und haben fast immer mit der Nahrungsverwertung zu tun: Sei es ein Verdauungssystem, das aus der vorhandenen Nahrung einen höheren Energiegewinn erzielen kann und damit seinem "Inhaber" einen evolutionären Vorteil sichert - sei es eine verbesserte Nahrungszerkleinerung.

Die Entwicklung von Scher- und Mahlzähne hat wahrscheinlich erst die Entwicklung der Säugetiere von winzigen Spitzmaus-ähnlichen Vorfahren zur späteren Artenvielfalt ermöglicht, die nach dem Verschwinden der Dinoaurier die frei gewordenen Nischen in Rekordtempo übernehmen konnte. Die Ursäugetiere konnten mit ihren Zähnen die Nahrung nur nach und nach zerschneiden. Die Backenzähne der meisten heute lebenden Säugetiere haben dagegen komplexe Vertiefungen und Vorsprünge, die genau zu den gegenüberliegenden Zähnen passen. Diese Strukturen der "tribosphänischen" Zähne greifen exakt ineinander und wirken wie eine Schere - ideal zum Zerkleinern und Zermahlen der Nahrung.

Unerwartetes Detail nun: laut einer jüngst veröffentlichten Studie könnten diese Zähne unabhängig voneinander zweimal entstanden sein. Richard Cifelli und seine Mitarbeiter vom Oklahoma Museum of Natural History analysierten Kiefer, Zähne und Skelette von über zwanzig fossilen Säugetieren aus der Jura- und Kreidezeit vor 200 bis 65 Millionen Jahren. Sie entdeckten, dass die Herausbildung eines Backenzahns, der bisher als gemeinsames Merkmal höher entwickelter Säugetiere galt, unabhängig voneinander in zwei Gruppen auf verschiedenen Kontinenten geschah.

Andere Forscher halten diese Theorie zwar für in sich schlüssig, wollen aber erst noch weitere Untersuchungsergebnisse zum Vergleich heranziehen. (Nature/red)

  • Dieser gehörte einem Mastodon
    foto: illinois state museum

    Dieser gehörte einem Mastodon

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