Streicheleinheiten am Arbeitsplatz

5. Jänner 2001, 13:36

Standard-Mitarbeiter Peter Kirchschläger über Programme zur Entspannung für Schreibtischtäter.

Spannt es an allen Ecken und Enden, schickt David Stettler auf Anruf zwei professionell helfende Hände. Die "Massage Company" bietet Massage direkt am Arbeitsplatz. Die Idee zum on-site- Massage-Service kam dem Geschäftsführer vergangenen Frühling. In den USA, Japan und in anderen europäischen Ländern liegt sie schon seit Jahren im Trend.

Der gelernte Buchhändler startete Mitte September ein Direct-Mailing an 400 Firmen und Büros. Die Aktivitäten der jungen Firma erweisen sich bereits nach zwei Monaten als kostendeckend. In den ersten Augenblicke der Realisierung durfte Stettler auf die sehr hilfreichen Ratschläge seines Kollegen Patrick Marty zählen, der dank der Gründung seiner eigenen Firma "Waterpoint" bereits wichtige Erfahrungen gesammelt hatte.

Die "Massage Company" vorstellen? Das Unternehmen des Sohnes einer diplomierten Therapeutin und eines leitenden Angestellten der größten Schweizer Rückversicherung bietet neben der klassischen medizini schen Massage Fussreflexzonen-, Triggerpunkmassagen und Lymphdrainage - durchgeführt ausschließlich von medizinisch diplomierten MasseurInnen - direkt am Arbeitsplatz. "Je nach Räumlichkeiten und Zeitrahmen wird mit einer Massage-Liege oder einem speziellen Massage-Stuhl gearbeitet."

Nach einer ausführlichen individuellen Beratung wird eine Probesession von zwei Stunden für ca. 1200 S angeboten, um der Klientel dann die Auswahl und die genauere Gestaltung des Dienstleistung zu überlassen - ca. 800 S/h bei einem Minimum von zwei Stunden. "Massage Company" steht zudem in enger Zusammenarbeit mit einem Physiotherapiestudio, "auf dessen Dienste sie bei ernsthaften Problemen zählen kann".

Der von gitarrenbetonter Musik (wie z.B. U2, Oasis, The Cure) begeisterte Jungunternehmer ist mit dem Gang der Geschäfte zufrieden. "Auch wenn ich mir den Verlauf der Umsetzung ganz anders vorgestellt habe."

Mittlerweile zählen bereits 20 Unternehmen zum Stammkundenstock. Die großen und kleinen Arbeitgeber stammen überwiegend aus den Branchen Internet-, PR- und Consulting.

"Gerade hat sich auch das Zürcher Sozialamt als Kunde eingeschrieben." Die fest angestellten Masseure sind aus gebucht, eine Masseuse steht auf Abruf bereit und weitere sieben könnten im Falle eines Engpasses eingesetzt werden.

Zwei Grafiker sorgen sich um das Layout des externen Auftrittes, ein Partner steht seit der Gründung zur Seite. Und wieviel arbeitet der selbstständige Chef? "Ich achte sehr darauf, die normalen festen Arbeitszeiten von 8h- 12h und von 13h-17h einzuhalten."

Junggeselle David Stettler arbeitet nebenbei als Model und pflegt einen gesunden Lebensstil, zudem regelmäßige Fitnesscenter-Einheiten, Spaziergänge in der Natur, die er

sehr liebt, und das Hören von Musik gehört. Freizeit ist ihm sehr wichtig, "denn so ist der Mensch fähig, konzentriert und erfolgreich zu arbeiten und seine Möglichkeiten auszuschöpfen."

Doch in gefährliche Selbstzufriedenheit verfällt Stettler in seinem bescheidenen Büro - einem Zimmer in einer Wohnung eines Freundes - nicht. "Anfang Januar werde ich dank der wachsenden Nachfrage einen weiteren Masseur verpflichten." Auch die Veränderung seines Arbeitsplatzes drängt sich auf, "obwohl wir momentan gar nichts verändern müssten."

Im Frühling will "Massage Company" aktiv werden, um in einem ersten Schritt die Deutschschweiz - ausgehend von Basel, Bern und Luzern - zu erobern. Das Ziel bleibt die ganze Schweiz und die hundertprozentige Auslastung des Teams.

Und wie steht es mit den Nachbarländern? "Feldkirch liegt ja näher als viele Schweizer Städte ..." Auch der Gang an die Börse stellt ein Thema für den höflich und selbstbewusst auftretenden Unternehmensgründer dar. "Im Vordergrund steht aber die Gründung einer GmbH." Persönliches Ziel bleibt, "im Hier und Jetzt glücklich zu sein. Sollte das Gegenteil eintreten, würde ich die Situation unter ’Lernprozess’ verbuchen," beweist Stettler auch Bereitschaft zu Kurskorrektur.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.1. 2001)

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    foto: photodisc
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