Die elegantere Art, zu bezahlen

31. August 2001, 14:20
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Der business lunch ist längst zur Institution geworden

Der business lunch ist längst zur Institution geworden: Etwa wie eine Vorstandssitzung oder ein Abteilungsleiter-meeting. Nur soll er in entspannterer Atmosphäre ablaufen und die rationale Kopfarbeit durch emotionale Gaumen- und Bauchstimulanzen positivieren. Wirklich erfolgreich wird der business lunch aber erst, wenn Sie eine Reihe von "Lunch 2 (to) B (Business)-Regeln" beachten: Regel Nummer 1: Lassen Sie sich die Rechnung schicken: Nach einem angeregten Geschäftsessen mit Kunden, Auftraggebern, Aufsichtsräten flussern der eigenen Karriere ist es völlig "unelegant" mit Bargeld zu zahlen. Nicht nur, dass Jedermann den Rechnungsbetrag nachvollziehen kann, bleibt Ihren Gästen auch nicht die Großzügigkeit oder Mickrigkeit Ihres Trinkgeldes verborgen. Da ist es schon besser - so ferne sie vom Wirt akzeptiert wird - die Kreditkarte zu zücken. Der wirkliche Profi unter den business lunchern jedoch, hat in seinem Lieblingsrestaurant längst ein Konto eingerichtet, bzw. lässt sich die Rechnung in die Firma schicken. Natürlich vergisst er nicht dabei dem Ober ein vertrauliches "Vielen Dank - das Trinkgeld wie immer ..." hörbar zuzuflüstern (als 10-Prozent-Trinkgeldgeber gehören sie zu den Topgästen, weniger als fünf Prozent sind indiskutabel). Der anerkennende Blick Ihres Geschäftspartners oder Kunden wird Ihnen sicher sein. Vergessen Sie aber bitte nicht, das alles vorher zu vereinbaren, um etwaige Live-Diskussionen zu vermeiden. Denn Voraussetzung für das Funktionieren dieser Imponier-Dramaturgie ist schon, dass man Sie im Restaurant kennt. Umbruch bei Europas bestem business lunch Europameister in der Disziplin "Preis-Leistung- beim business lunch" ist zweifelsohne das Wiener Steirereck. Patron Heinz Reitbauer - von Gault Millau mit vier Hauben ausgezeichnet - lässt Sie für 430 Schilling ein dreigängiges Menü der absoluten Spitzenklasse selbst komponieren. Damit beeindrucken Sie als Gastgeber mit dem unschlagbaren Argument: "Besser essen Sie zu diesem Preis in dieser Klasse nirgendwo in Europa!" Leider stellt sich seit kurzem die Frage - "Wie lange noch?" - Denn, Heinz und Margarethe Reitbauer planen, um satte 50 Millionen Schilling ihr Restaurant von der ebenen Erde in den letzten Stock inklusive Dachterrasse zu hieven. Gute Freunde und beinharte Rechner allerdings raten von derlei unrentablen Umbauplänen massiv ab, was die Reitbauers mittlerweile - Gott sei Dank - ins Schwanken bringt.

Aktueller Stand der Überlegungen: Eher kein Umbau und Übersiedelung aufs Dach, sondern vielleicht sogar eine völlig neue Location. Heißt: Neue Adresse, neue Umgebung, neues Restaurant aber natürlich gleiche Küchen- und Service Brigade und - hoffentlich - weiterhin der beste business lunch Europas.

Wolfgang Rosam
Publico-Chef und Gourmet des Jahres 2001.

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