Reemtsma Entführung: Mutmaßlicher Drahtzieher will über Lösegeld- Verbleib aussagen

2. Jänner 2001, 16:09

Vom Großteil des Lösegeld fehlt jede Spur

Hamburg - Der mutmaßliche Drahtzieher der Entführung des Hamburger Multimillionäres Jan Philipp Reemtsma will nach Angaben seines Verteidigers umfassend über den Verbleib des Lösegeldes aussagen. "Drach ist bereit, gegen Ende der Beweisaufnahme umfassend über Geld und Geldflüsse auszusagen", sagte Rechtsanwalt Rüdiger Spormann am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht. Drach selbst sagte am dritten Verhandlungstag, die Angaben seines Mittäters Koszics seien unwahr.

Reemtsma wurde erst nach 33 Tagen freigelassen

Der Zigaretten-Erbe und Sozialwissenschaftler Reemtsma war im März 1996 vor seiner Villa im Hamburger Stadtteil Blankenese entführt und erst nach 33 Tagen gegen die Zahlung eines Lösegelds von 30 Millionen Mark (15,3 Mill. Euro/211 Mill. S) wieder freigelassen worden. Außer Koszics sind bereits zwei weitere Tatbeteiligte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Vom Großteil des Lösegeld fehlt jede Spur

Drach war 1998 nach einer internationalen Fahndung in Argentinien festgenommen und im Juni 2000 an Deutschland ausgeliefert worden. Von dem größten Teil des Lösegeldes fehlt nach wie vor jede Spur. Bisher sind erst 15,5 Mill. S (1,125 Mill. Euro) wieder aufgetaucht. Drach hat seine Beteiligung an der Entführung zwar eingestanden, weigert sich bisher aber, Angaben über den Verbleib der erpressten Millionen zu machen.

Lösegeld wurde geteilt

Am dritten Verhandlungstag äußerte Drachs Verteidigung Zweifel an den Aussagen von Koszics. Nach Aussagen von Drach sei das Lösegeld geteilt worden, sagte Anwalt Spormann. Koszics habe hingegen ausgesagt, nicht mehr als umgerechnet gut zwei Millionen Mark aus der Lösegeldsumme für Geldwäscherdienste erhalten zu haben. "Sie werden sich wundern. Drach wird noch Aussagen zur Sache machen", kündigte Spormann an. Dann werde sich auch zeigen, dass Koszics die Unwahrheit gesagt habe.

Koszics verbüßt wegen seiner Beteiligung an der Entführung eine zehneinhalbjährige Gefängnissstrafe. Falls sich herausstellen sollte, dass der 59-Jährige gelogen hat, könnte er nach Ansicht von Reemtsmas Verteidiger Johann Schwenn nicht vorzeitig nach zwei Dritteln seiner Strafe entlassen werden.

Urteil wird im Februar erwartet

Die mit Spannung erwartete Aussage des Entführungsopfers Reemtsma wurde auf den am 11. Jänner vertagt. Als Zeuge soll dann außerdem der als Mittäter zu fünf Jahren verurteilte Peter Richter aussagen. Reemtsmas Ehefrau Ann Kathrin Scheerer wurde für den 19. Jänner als Zeugin geladen. Durch die erneute Befragung von Koszics am dritten Verhandlungstag verlängert sich der Prozess nach Angaben des Gerichts. Bisher sollte das Urteil am 26. Jänner gesprochen werden. Nun dürfte sich der Prozess in den Februar hineinziehen. (APA/Reuters)

  • Artikelbild
    foto: standard/ matthias cremer
Share if you care.