Duisenberg räumt Scheitern bei Image-Arbeit für den Euro ein

1. Jänner 2001, 19:43

Kritik an von Politik vorgegebener Drei-Jahres-Frist zur Bargeldeinführung

Frankfurt - Ein Jahr vor der Euro-Bargeld-Einführung hat der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, Versäumnisse bei der Image-Arbeit für die Gemeinschaftswährung eingeräumt. Er sei "wirklich enttäuscht", dass es nicht gelungen sei, "der Öffentlichkeit zu vermitteln, dass der Euro nicht erst noch kommen wird, sondern schon längst vorhanden ist", sagte Duisenberg in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagausgabe). "Das ist ein Manko, hier kann man von einem Scheitern reden." Das Euro-Bargeld wird in den Staaten der Euro-Zone zum 1. Jänner 2002 eingeführt. Seit Anfang 1999 exisitiert die Gemeinschaftsdevise bereits als Buchwährung.

Der oberste Währungshüter der Eurozone kritisierte die von der Politik vorgegebene dreijährige Übergangsfrist bis zur Bargeldeinführung. "Ich erachte es im Übrigen als größtes Handikap im Hinblick auf die öffentliche Wahrnehmung des Euro, dass wir ihn noch nicht als Bargeld haben", sagte Duisenberg. Der EZB-Chef zeigte sich zugleich zurückhaltend zu der wirtschaftlichen Entwicklung in den ab 2001 zwölf Staaten der Euro-Zone.

Zwar seien Inflationsrisiken "derzeit nicht sehr konkret", weil die Bedrohungen für die Preisstabilität durch sinkende Ölpreise und einen stärkeren Euro abnähmen. Andererseits entwickelten sich in verschiedenen Teilen des Euroraums Anspannungen am Arbeitsmarkt, sagte Duisenberg. Dies mache ihm "Sorgen". (APA)

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