Das kleine Schwarze

30. Mai 2001, 16:13
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Amy Holman Edelman verfolgt den Siegeszug eines phänomenalen Kleidungsstücks

Die Schutzheilige des kleinen Schwarzen ist Audrey Hepburn, die es zu einer Kunstform erhob. Aber bis die junge Hepburn in dem Film “Frühstück bei Tiffany” im kleinen Schwarzen Furore machte, war es ein gutes Stück Arbeit.

Als es erstmals präsentiert wurde, war die Assoziation mit Trauer noch ziemlich stark, was ihm den gewissen Reiz des Verbotenen gab. Karl Lagerfeld, der Modegeschichte studiert hat, hält das kleine Schwarze für einen direkten Abkömmling der Trauerkleidung. Eine Aura der Selbstbeherrschung haftete seiner Trägerin an wie ein intensives Parfüm. Das kleine Schwarze unterschied die Frauen so eindeutig von den Mädchen, wie in alten Western schwarze Hüte die bösen Jungs kennzeichneten. Es wurde, selbst wenn es Frau mit Umsicht trug, bald zum Synomym für Reife, Erfahrung und Sex.

Vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis zum Jahre 1928 verringerte sich die Stoffmenge, die man für ein Damenkleid benötigte, von 17,6 auf 6,4 Meter. Die Befreiung von beengender Unterkleidung und vielen Metern Stoff war nur ein Signal für Veränderung. Für eine weitere nachhaltige Erschütterung sorgte die Prohibition und brachte eine moralische Revolution mit sich. Cocktails - Alkohol gemixt mit Sirup und Soda , war nicht nur ein Drink, sondern ein ganzer Lebensstil. Cocktailpartys begannen meist am frühen Abend. Um an dieser neuen Art von Geselligkeit teilzunehmen, brauchten die Frauen eine entsprechende Garderobe.

Das erste kleine Schwarze wird meist Gabrielle Coco Chanel zugeschrieben, und zwar wegen einer schlichten Modezeichnung in der Maiausgabe der amerikanischen Vogue des Jahres 1926. Das Kleid sollte tagsüber getragen werden und seine persönliche Note durch die Trägerin erhalten. Die Zeitschrift prophezeite, das kleine Schwarze werde “eine Art Uniform für alle Frauen mit Geschmack.” Es umwehte einen Hauch von Verführung und Reife, der vor allem von der Filmindustrie am Kochen gehalten wurde.

Amy Holman Edelman verfolgt in ihrem reichlich bebilderten Werk den Siegeszug dieses phänomenalen Kleidungsstücks und zeigt, dass es zugleich auch eine Geschichte weiblicher Emanzipation ist. (Josefine Zeppetzauer)
Amy Holman Edelman
Das kleine Schwarze
176 S./ öS 179,-
dtv Verlag
ISBN 3-423-36212-X

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