Der Traum vom Schlaraffenland

30. Mai 2001, 16:25
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Herman Pleijs prächtige Visionen des "Himmels auf Erden"

Der Traum vom süßen Leben hat viele Namen. Dem Buch liegen drei niederländische Texte des 15. und 16. Jahrhunderts zugrunde. Das herrliche Traumland heißt Cocagne, bzw. Luilekkerland. Luilekkerland steht dem deutschen Schlaraffenland in Motiven und Assoziationen sehr nahe.Der Text über das Luilekkerland stellt eine direkte Bearbeitung des Schwanks "Vom Schlaweraffenland" aus dem Jahre 1530 dar. Der Urheber desselben ist Hans Sachs. Letzlich beruhen jedoch sowohl Cocagne wie auch Luilekkerland auf ein und demselben schlaraf fischen Traum: dem des süßen Nichtstuns und des unbegrenzten Überflusses.

Als Leser ist man bald den schlaraffisch schönen Wort- und Visions kaskaden "ausgeliefert". Man tut gut daran, hineinzukippen in diese Kultur des Überflusses. Zu schön sind die Visionen, die der Autor mühsam für dieses "lüsterne" Buch recherchiert hat, sind doch die Quellenangaben fast ausschliesslich einer Erzählkultur entsprungen. Unsere heutigen Traumwelten liegen in den Reisebüros, raffiniert maßgeschneidert für eine Kundschaft, die auf der Suche ist nach dem idealen Klima, nach Naturwundern, nach verbotenem Sex. Das heutige Schlaraffenland ist nur noch ein schwacher Abglanz des "wilden" Cocagne von ehedem.

Einmal mehr ist dem Autor, einem Professor für altniederländische Literatur an der Universität Amsterdam, mit diesem Buch gelungen, den Leser über seine prächtigen Visionen des "Himmels auf Erden",in seinen Bann zu ziehen. Ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen, kann man sich all den Köstlichkeiten des Essens hingeben, denn im Schlaraffenland spielt der Essgenuss eine herausragende Rolle. Danke lieber Autor, für diese Diät! (Maria Lehner)

Ohne auch nur ein Gramm zuzu- nehmen kann man sich all den KÖstlichkeiten des Essens hin- geben, denn, im Schlaraffen- land spielt der Essgenuss eine herausragende Rolle. Dank? lieber Autor,fÜr dies Diät. Maria Lehner

Herman Pleij
Der Traum vom Schlaraffenland
S. Fischer Verlag
522 S./ öS 564.-
ISBN 3100617053

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