Der Headhunter

20. November 2001, 10:25
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Ein Job, der Diskretion voraussetzt

Weiße Socken zum dunklen Anzug, schmutziges Schuhwerk und redselige Ehepartner - diese heimtückischen Karrierekiller sind der Schrecken jedes Headhunters, der sich viel Mühe mit der Suche und Auswahl eines Managers gemacht hat und dann hilflos mit ansehen muss, wie dieser im entscheidenden Gespräch an derlei Nebensächlichkeiten scheitert.

Kopfjäger suchen hochkarätige Führungskräfte für ihre Auftraggeber, führen Interviews, checken Lebensläufe und holen Referenzen ein.

Keine Namen

Namen wird der Headhunter nie nennen. Diskretion ist für ihn mehr als nur Ehrensache, sie gehört einfach zum Geschäft. Und das ist auch gut so. "Wir wissen sehr viel", sagt ein Headhunter über sich und seine Branchenkollegen. Denn schließlich überprüfen die Consultants nicht nur Referenzen, sondern fragen auch nach dem Privatleben der Manager.

Kopfjäger: "Das klingt archaisch, düster, geheimnisvoll", schrieb vor Jahren die Frankfurter Allgemeine Zeitung und warf die Frage auf, ob das überhaupt ein anständiger Beruf sei. Zurecht. Denn das war in einer Zeit, als seriöse Berater wie Gerhard Kienbaum Führungskräfte noch per Stellenanzeige suchten und ihre Kunden vor Headhuntern warnten. Die Executive Search Consultants, wie sich die Kopfjäger selbst gern nennen, operierten damals in einer rechtlichen Grauzone.

Am Rande der Illegalität

Während diee Tätigkeit in anderen Ländern gestattet war, gab es in Deutschland lediglich eine stillschweigende Duldung durch die Bundesanstalt für Arbeit. Bis 1994 durften die Berater lediglich nach Topmanagern suchen. Das Massengeschäft mit den Mittelmanagern war illegal, und so konnte es durchaus passieren, dass ein Consultant zwar erfolgreich nach einer Führungskraft gefahndet hatte, aber kein Honorar erhielt, weil sich der Auftraggeber im Nachhinein auf das Gesetzesverbot berief. Die deutschen Gerichte deckten diese unfaire Praxis.

Das hat sich geändert. Durch beständige und geschickte Lobbyarbeit konnte eine Änderung der Gesetze und Liberalisierung des Arbeitsmarkts erwirkt werden. Durch die Verpflichtung zur Einhaltung von gewissen Mindeststandards bei der Arbeit, gilt Headhunting heute als eine völlig alltägliche und anerkannte Dienstleistung. Mehr noch: "Es ist eine richtige Industrie geworden".

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