Weit weg von der Hektik

19. Juli 2005, 11:39

Das beste Naherholungsgebiet der Singapurer heißt Bintan Islands

Christoph Winder

Selbst der hartgesottenste Stadtmensch hat dann und wann ein paar Stunden im Grünen nötig. Ist der Stadtmensch ein Wiener, verfügt er sich für ein Wochenende auf den Semmering oder auf die Rax. Ist er Singapurer, heißt sein Naherholungsgebiet mit einiger Wahrscheinlichkeit Bintan Island.

Immer öfter ziehen die vom Lärm und der Hektik des betriebsamen Stadtstaates genervten Bewohner per Hochgeschwindigkeits-Katamaran gen Südosten, um im benachbarten indonesischen Inselparadies Riau, zu dem Bintan Island gehört, die Seele baumeln zu lassen. Gerade 45 Minuten dauert der Transfer von der Fährstation Tanah Merah nahe dem Singapurer Flughafen Changi bis Teluk Sebung auf Bintan – ein Trip, der sich zeitweilig selbst mit einem dichtbepackten Manager-Terminplan vereinbaren läßt.

Bereits bei der Abwicklung der Zollformalitäten gewinnt der Tourist einen guten Eindruck davon, daß die Uhren in Singapur und Indonesien verschieden gehen: hier atemberaubende Effizienz, dort ein unübersehbarer Hang zum Laissez-faire. Der Transfer von Teluk Sebung zum Resort bietet erste Gelegenheit, sich mit den Eigenheiten vertraut zu machen.

Noch verraten die allgegenwärtigen Planierraupen und Bauarbeitertrupps, daß Bintan Island ein „work in progress“ ist. Wenn die Erschließungsarbeiten voranschreiten, soll bis zum Jahr 2000 hier eines der größten Freizeitparadiese in Südostasien stehen.

Klotzen, nicht kleckern

Wie es der zupackenden Wesensart der Singapurer, die maßgeblich an der Erschließung von Bintan Island beteiligt sind, entspricht, wird nach dem Motto „Klotzen, nicht kleckern“ vorgegangen: 35 Mrd. Schilling will sich das Bintan Resort Management (zu 60 Prozent im Eigentum eines indonesischen, zu 40 in dem eines singapurischen Firmenkonsortiums) den Ausbau des Erholunggebietes im Norden der Insel kosten lassen.

Und damit es den Gästen nur ja nicht langweilig wird, soll in den kommenden Jahren zum Naturangebot – Meer, kilometerlange Sandstrände, subtropisches Klima und die dazugehörige Vegetation – noch jede Menge von menschengeschaffenen Attraktionen hinzukommen: Golfplätze gibt es jetzt schon, geplant sind ein riesiges „Urban Beach Center“ mit Shopping-Malls, Restaurants und Nachtklubs, ein Amüsierpark à la Disneyland sowie „agro-touristische“ Parks, wo die Gäste selbst Obst und Gemüse ernten können.

Auch jetzt bietet Bintan Island schon eine recht ansehnliche Anzahl von Nächtigungsmöglichkeiten: In die Kategorie des eher Schlichten fällt etwa das an einer hübschen Bucht gelegene Mana Mana-Resort mit seiner Siedlung aus etwa fünfzig Kabinenhäuschen – nichts für Leute, die an Klaustrophobie leiden. Der Hotelmanager verrät allerdings, daß es ohnehin hauptsächlich von Tauchern genutzt werde, denen ihr Hobby wichtiger ist als eine Lobby.

Erheblich luxuriöser präsentiert sich das Hotel Sedona Bintan Lagoon mit seinem weitläufigen privaten Sandstrand und den 400 in zwei weit ausladenden Gebäudeflügeln untergebrachten Luxuszimmern. Spektakulär ist die enorme Halle, die zwar überdacht, aber nach allen Seiten hin offen, dem neiderfüllten Bewohner kühlerer Landstriche nachhaltig und augenscheinlich einen Eindruck vom Leben in den warmen Weltgegenden vermittelt. Gleich nebenan fröhnen japanische Gäste ihren unvermeidlichen Karaoke-Obsessions.

Der wahrscheinlich schönste – und auch bei weitem teuerste – Komplex ist das Banyan Tree Bintan: Im balinesischen Stil gehaltene Luxusvillen mit Sonnendeck, privatem Swimming-Pool oder Jacuzzi thronen hoch über dem Meer und lassen spektaktuläre Ausblicke über die Küstenlandschaft zu: eine ideale Destination für überspannte Manager und alle anderen, die es ein paar Tage nach naturnaher Abgeschiedenheit drängt.

DER STANDARD Samstag/Sonntag, 9./10. August 1997

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