"Gustohäppchen" statt "unverdauliche Brocken"

28. März 2002, 19:17
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Um verständlich sein zu wollen, ist es ratsam, kurze und prägnante Sätze zu bilden. Ihre Rede sollte in kleinen gut strukturierten Portionen "serviert" werden.

Stimmtraining

Der Stimme kommt bei Vorträgen eine besondere Funktion zu. Jedem ist bekannt, dass sich Sportler täglich aufwärmen. Die Muskeln werden Tag für Tag gelockert und der Körper für den Wettkampf vorbereitet. Auch jeder Pianist macht Fingerübungen vor einem Konzert. So sollten auch Sie vor jedem "großen Autritt" Ihre Sprechstimme schulen und ein Aufwärm-Stimmtraining machen. Wenn Sie Ihre Stimme beruflich benötigen, sollten Sie täglich Übungen machen. Wenn Sie gelegentlich Vorträge halten, so bereiten Sie sich zumindest vor dem speziellen Anlass intensiv vor, so dass der volle Klang Ihrer Stimme zur Geltung kommt.

Effiziente "Warm-up Übungen" für die Stimme

Die Stimme ist in der Früh meistens tiefer, belegt und brummiger. Genauso wie wir uns am Morgen bespeilsweise die Zähne putzen, duschen, uns frisieren etc. so ist es ebenso wichtig, unsere Lunge, den Kehlkopf und die Stimmbänder zu reinigen. Auf die Ausscheidungsprozesse ist auch bei den Sprech-Werkzeugen zu achten. Zu den wichtigsten Stimmhygienischen Maßnahmen zählen folgende sechs Punkte:

  • Affentrommel: Diese Übung ist speziell zur Unterstützung der Lunge konzipiert. Stellen Sie sich vor, ein Affe im Urwald zu sein. Singen oder sagen Sie laut die Vokale aaa-eee-iii-ooo-uuu und trommeln Sie mit den Handflächen neben Ihrem Brustbein Ihren Brustkorb ab. Der produzierte Ton sollte leicht "hüpfen".

  • Glocke: Im schulterbreiten Stand auszuführen. Die Fußsohlen bleiben immer am Boden. Gehen Sie in die Knie, wenn Sie den Schwung der Übung spüren. Und so wird`s gemacht: Beide Hände nach vorne ausstrecken und vor dem Körper eine Acht in die Luft zeichnen. Stellen Sie sich vor, der Klöppel einer Glocke zu sein und sprechen Sie rhythmisch je zweimal:

    mu-nung, mo-nung, mi-ning, me-neng, ma-nang

  • Stehvermögen: auch "Schuhabstreiferübung" genannt. Stellen Sie sich vor, Ihre Schuhe intensiv auf einer Fußmatte abzustreifen. Wählen Sie ein Standbein aus. Knicken Sie die Zehen des anderen Fußes und kreisen Sie mit sanftem Druck gegen den Boden dreimal in jede Richtung. Danach knicken Sie die Zehen in die andere Richtung um und kreisen erneut dreimal. Zum Schluss stampfen Sie mit beiden Fußsohlen nacheinander je dreimal fest auf den Boden und sagen laut "HO" dabei.

  • Bienenkorb: Diese Summ-Übung gibt Ihnen mehr Volumen, mehr Resonanz, eine tiefere Stimme und ein besseres Gefühl für Ihren Klang. Sie ist mehrmals täglich, je drei bis viermal auszuführen. Atmen Sie langsam aus, dann wieder ein. Während Sie durch die Nase Luft strömen lassen, summen Sie kräftig und laut "mmmmmmmmm". Die Lippen sind leicht aufeinandergelegt, jedoch nicht zusammengepresst! Grinsen Sie dabei mit hochgezogenen Wangenmuskeln. Rund um die Lippen sollte ein leichtes Kitzeln verspührt werden, das sich langsam auf den Kopf ausdehnt. Im gesamten Kopfbereich soll es vibrieren und dröhnen, wie in einem Bienenkorb.

  • Star-Übung: Sprechen Sie Goethes Vers (siehe unten) mit ausgebreiteten Händen und senden Sie Ihre Stimme weit in ein imaginäres Auditorium. Bei jeder Verszeile breiten Sie die Hände aus bis zur Waagrechten, holen tief Luft und verbrauchen möglichst viel davon beim Sprechen jeder Zeile.

    Gruß dem Meere

    Gruß den Wogen

    Gruß dem Wasser

    Gruß dem Feuer

    Gruß dem selt`nen Abenteuer ...

  • Zungenkreis: Im Raum zwischen Zähnen und Lippen (d.h. außerhalb der Mundhöhle) kreisen Sie mit Ihrer Zunge bei weit geöffneten Mund dreimal in jede Richtung. Danach werden die Lippen mit der "Pferdeübung" gut gelockert. Sagen sie des öfteren "Brrr", so dass die Lippen flattern.

    Tipp: Nehmen Sie sich für diese Übungen Zeit. Machen Sie diese im "stillen Kämmerlein", so dass Sie frei und ungezwungen -ohne Publikum- üben können.

    Think Positive

    Eine positive seelisch-geistige Haltung ergänzt Ihren stimmlichen Auftritt. Sagen Sie selbst zu sich: Ich überzeuge! Ich komme rüber! Meine Botschaft kommt an! Reflektieren Sie, mit welchen Gedanken Sie sprechen. Sie sollten stets positiv und motiviert denken! Hier ist gedankliche Disziplin von Nöten.

    Laut mit sich selbst sprechen

    Schwierige Passagen des Vortrages wie zum Beispiel die Begrüßung, der Schlusssatz, problematische Übergänge etc. sollen nicht nur "im Geiste" sondern LAUT durchgegangen werden. Sie sollten das zu Sagende selbst einige Male laut gehört haben! Gegenargumente sind meist zu erwarten. So sollte man sich bereits im Vorbereitungsstadium darüber Gedanken machen und mögliche Antworten vorbereiten. Wenn sie ein Sprachprofi werden wollen, reden Sie laut mit sich selbst!

    Was man für die Stimme tun kann

  • SALBEI: mit Tee rechtzeitig gurgeln
  • SALZLÖSUNG: empfiehlt sich auch zum Gurgeln
  • WASSER: reichlich Flüssigkeit (2-3 Liter) für die Schleimdrüsen des Kehlkopfes
  • MEERSALZTABLETTEN: bei Heiserkeit lutschen
  • EIBISCHZUCKERLN: gelegentlich lutschen
  • HALSWICKEL: kalter Wickel nach Pfarrer Kneipp/Topfenwickel
  • ÖLE: für die Duftlampe ISOP (sparsam), Angelika, Zitronenmelisse
  • BACHBLÜTE: Crab Apple (Holzapfel)

    (aus: Amon, Ingrid: Erfolgsfaktor Outfit, Auftreten und Stimme der Frau, Verlag Ueberreuter) weitere Buchvorschläge und Seminare

  • Amon, Ingrid
    Erfolgsfaktor Outfit, Auftreten und Stimme der Frau
    Verlag Ueberreuter
    Preis:öS 291,-

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