KPÖ lässt Linksprojekt abblitzen

Am 19. Juli entscheidet das Linksprojekt über ein Antreten bei den Wahlen - Die KPÖ wird alleine kandidieren

"Am Samstag prüfen wir, ob die Kräfte reichen", verkündet Hermann Dworczak, Mitinitiator des Linksprojekts, bei der ersten offiziellen Pressekonferenz des Linksprojektes am Dienstag. Es wäre aber auch kein Problem, wenn die Kräfte nicht reichen würden, so Dworczak, denn das Projekt habe einen mittel- und längerfristigen Wert. Das Linksprojekt ist eine Plattform verschiedenster linker Organisationen und Kleinstparteien.

"Wir müssen uns ja nicht liebhaben"

Das Linksprojekt will die KPÖ ins Boot holen, um gemeinsam bei der Nationalratswahl anzutreten. "Es wäre absolut klasse leiwand, wenn wir gemeinsam antreten würden. Wir müssen uns ja nicht liebhaben". Eine gemeinsame Kandidatur würde ja die Aufrechterhaltung der eigenständigen Strukturen nicht gefährden. Doch das KPÖ will mit einer eigenständigen offenen Liste kandidieren, denn die geringe Zeit für die Vorbereitung des Wahlkampfes würde die Möglichkeiten für ein Wahlbündnis einschränken.

Programm

Zwar werden die politischen Eckpunkte des Projekts erst am 19. Juli festgelegt, doch schon jetzt gibt es einzelne Kernpunkte. Das Linksprojekt tritt gegen die Teuerung und gegen ein Europa der Konzerne und Generäle auf. Gefordert werden eine Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit und ein Mindestlohn. Man wolle eine Alternative zur FPÖ bieten und gleiche Rechte für alle in Österreich lebenden Menschen etablieren.

Was wäre das Wahlziel bei einem Antreten des Linksprojekts? Es gebe ein Wählerpotenzial von 5 bis 10 Prozent, meint Dworzcak, nun gehe es darum dieses Potenzial auszuschöpfen.

Linksparteien in Europa

Linke Listen abseits der klassischen Sozialdemokratie und des Kommunismus kommen wieder in Mode. Sie fischen vor allem bei ehemaligen Nichtwählern und Menschen, die mit der allgemeinen politischen Situation unzufrieden sind. Im europäischen Vergleich als besonders erfolgreich gelten etwa Gregor Gysi und Oskar Lafontaine mit ihrer Partei "Die Linke". In Frankreich soll 2009 die "Neue Antikapitalistische Partei" von Olivier Besancenot entstehen.

In Norwegen bildet die Sozialistische Linkspartei eine Koalition mit den Sozialdemokraten und der Zentrumspartei. Die zypriotische "Fortschrittspartei des werktätigen Volkes" stellt vier Minister und mit Demetris Christofias den Präsidenten. In der Schweiz ist die Partei der Arbeit im Nationalrat und in kantonalen und Gemeindeparlamenten vertreten. In Italien und Frankreich stützten linke Parteien bereits Regierungen.

Europäische Organisation

Organisiert sind die meisten Gruppierungen in der Europäischen Linken (EL). Bei einer Zusammenkunft im Jahr 1999 wurden in Berlin gemeinsame Ziele definiert, der Gründungskongress fand 2004 in Rom statt. Zu den insgesamt 19 Mitgliedern zählen aber auch kommunistische Parteien, etwa die KPÖ, aber auch Splitterparteien der Kommunisten. Acht Parteien haben Beobachterstatus.

(APA/kies, derStandard.at, 15.Juli 2008)
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inos zum aktuellen linksprojekt

www.linke.cc/news

mist, hatte auf sie gehofft.

die kpoe ziert sich

was hat sie zu verlieren? den alleinvertretungsanspruch auf "links"? wovor hat sie angst?
die große frage ist, das sei zugegeben, die listen: wer steht an der spitze? wer ist links, lustig, undogmatisch, bekannt?

'links, lustig, undogmatisch, bekannt'?

Mein Kandidat: Der (noch- Umfall-) Kanzler Gusenbauer ? Dann müsste er sich auch für das küssen der roten Muttererde der Sovietunion und seine wilde Jugend nicht mehr gar so schämen. Im Gegenteil, das wäre dann ein wirkliches Asset!

Vielleicht...

Das jemand in die finanziellen Gebarungen Einblick bekommt? Oder gar was vom Kuchen ab will ?

KPÖ

Solange sich die KPÖ kein Beispiel an der LINKEN in Deutschland nimmt und nicht den Geruch einer ewiggestrigen Kaderpartei ablegt und einen breitenwirksamen Spitzenkandidaten aufstellt, solange wird sich wohl links der SPÖ nichts abspielen.

Wo bitte steht denn geschrieben, dass die Linken in Deutschland...

... den "Geruch einer ewiggestrigen Kaderpartei abgelegt" hätten?

Für mich riecht der Gysi noch ziemlich streng nach SED-Stall......

zum sich-zieren der kpoe

was hat denn die kpoe zu verlieren? wovor hat sie denn so große angst beim mitmachen?
kein programm? das finde ich lächerlich. kein gemeinsames programm? das ist ebenso lächerlich.
die listen? ja, das ist eine große frage. wer steht an der spitze? bekannt, links, undogmatisch, lustig. wen gibt´s da?
die unterschriften? ist ein vorteil, wir sammeln gemeinsam nur 2600. das soll nicht zu schaffen sein?
zum sich-lächerlich-machen: anzufangen ist jetzt, und so ein kleiner feiner wahlkampf mit großer bescheidenheit und umsicht wird ein guter anfang sein. chaotisch-übereilt-unkoordiniert? läuft irgendwie bis jetzt gut. das hält die linke aus.

So sehr ich eine Linke begrüßen würde

Aber die zwei Monate bis zur Wahl sind viel zuwenig Zeit. Jedes Antreten würde hier als chaotisch-übereilt-unkoordinierte Aktion in Erinnerung bleiben.

Eine Linke kann nur von unten kommen, also zuerst regional kanditierend. Da muss zuerst politische Erfahrung und Personal heran wachsen. Sonst macht Ihr Euch lächerlich und schadet dem Projekt.

eine linke

muss und kann von überall her kommen, am besten von unten und oben und von allen seiten.
und das bisschen chaos hält sie schon aus. bis jetzt ist jedenfalls alles recht gut gelaufen, find ich. konkrete kritik?

Konkrete Kritik habe ich sonst keine

weil ich weder über Inhalte, noch über Personen, noch über sonstwas informiert bin.

Ich fände es halt schade, wenn das Projekt nur verpufft, weil zu wenig Professionalität da ist und weil man sich überhastet zu irgendwas hinreißen lässt.

infos zu aktuellen linksprojekt

www.linke.cc/news

Warum glauben eigentlich

so viele Leute, dass in erzkonservativen Österreich eine Partei links von SPÖ/Grünen den Hauch einer Chance hätte?

Bestenfalls zieht man der SPÖ ein paar enttäuschte Wähler ab und schwächt somit deren Position noch mehr. Und es glaubt hoffentlich keiner, dass Leute die bis jetzt Schwarz gewählt haben aufeinmal eine Partei links der SPÖ wählen...

es gibt

auch nichtwählerInnen und weißwählerInnen, jugendliche, die zu ersten mal wählen.

Wieso nicht?

In Graz und der Steiermark gab es sicherlich solche Wählerströme. Aber keine Angst. DIe wählten die KP als Protest und nicht wegen der Forderung nach Verstaatlichung. Und bei der nächsten Wahl kreuzens wieder die Blauen an.

...weil links von der SPÖ noch sooooo viel Platz ist!

platz ja, aber wieviele wählerInnen sind dort? 2%, 3%

4 % sind es nicht, andernfalls wär die kpö schon lange wieder im parlament

seit wann

hat die kpoe den alleinvertretungsanspruch für "links"?
das ist ja auch ihr problem: ob sie das endlich begreift oder nicht.

hat sie mit sicherheit nicht, aber sie befindet sich im parteienspektrum "links" von der spö - und dort sei so viel platz (wähler) ...

das bezweifle ich

gegenbeweis: grazer kpö

zur erinnerung: in drei aufeinander folgenden gemeinderatswahlen der zweitgrößten (und sehr bürgerlichen) stadt österreichs erreichte die kpö 8%, 20%, 12%.

es kommt auf die gestalt einer solchen partei an, darauf wie ideologisch oder ideologiefern sie sich gibt und welche leute dort arbeiten.

natürlich sind bundeswahlen etwas anderes als kommunalwahlen, aber die "einstiegshürde" fürs wählen einer solchen partei sinkt.

wenn es sie denn gäbe...

sie wollen mir aber jetzt nicht erzählen dass das grazer bürgertum die kpö gewählt hat, oder? :-)

lokal seh ich eine chance - wobei ich es nicht verstehe warum derartiges in graz klappt aber in wien nicht (wo es meiner vermutung nach mehr sympathisanten gibt)

aber der überstieg von lokaler auf nationale ebene ist kein einfacher und braucht viel zeit - stellen sie sich 10 x ein "graz" vor, und sie haben die basis um ins parlament einzuziehen

aber derzeit wird imho das pferd gerade von hinten aufgezäumt

Das übertriebene Bürgertum, Ausbeutung des Ärmeren mittels Mieten usw, führte dazu das die KP Graz viele Stimmen gewann. Sozusagen eine Gegenreaktion.

Weil es in Wien keinen Kandidaten, keine Kandidatin, gab, die vergleichbar gut angekommen wären wie der Grazer Kommunist Kaltenegger.

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