Dinkhauser: "Mein Herz sagt, ich soll kandidieren"

Redaktion
15. Juli 2008, 10:21
  • Fritz Dinkhauser ist durch den Erfolg bei den Tiroler Landtagswahlen auf den Geschmack gekommen
    foto: apa/gindl

    Fritz Dinkhauser ist durch den Erfolg bei den Tiroler Landtagswahlen auf den Geschmack gekommen

Die Menschen wollen "mehr Mitspracherecht und weniger eingefahrene Strukturen", sagt der ÖVP-Rebell im STANDARD-Interview

STANDARD: Herr Dinkhauser, Sie haben mit Ihrem Bürgerforum bei der Landtagswahl 18,3 Prozent der Stimmen eingefahren. Reicht Ihnen dieser Erfolg nicht?

Dinkhauser: Wir haben in Tirol ein tolles Ergebnis zustande gebracht. Trotzdem haben es sich die etablierten Parteien gerichtet, in Tirol regieren wieder Schwarz und Rot. Dieses Wahlergebnis war ein starkes Signal. Politik wird aber hauptsächlich in Wien und Brüssel gemacht. Die bundespolitischenWeichen sind zu stellen.

STANDARD: Heißt das, Sie werden bundesweit kandidieren?

Dinkhauser: 600 Mails innerhalb von drei Tagen sind abenteuerlich. Unvorstellbar. Ein Kandidat Dinkhauser wäre der Wunsch vieler Plattformen und Bürgerinitiativen. Es ist eigentlich eine historische Chance, um etwas zu tun.

STANDARD: Um was genau zu tun?

Dinkhauser: Es gibt eine starke politische Notwendigkeit zum Aufbruch in der Bevölkerung. Es braucht eine soziale bürgerliche Alternative zu den etablierten Parteien. Auch die Grünen scheinen ihren Glanz verloren zu haben. Ich trete gegen die Radikalisierung einer Gesellschaft etwa durch die Strache-FPÖ auf. Mit uns hätten die Wähler eine Alternative, wenn sie sich an den Großparteien revanchieren wollen.

STANDARD: Worauf warten Sie dann eigentlich noch?

Dinkhauser: Ein Querschnitt der Bevölkerung ist an mich herangetreten, Ärzte und Unternehmer. Jetzt sollen weitere große Leute zur Demokratisierung der Gesellschaft "aus den Staud’n hupf’n" .

STANDARD: Gibt es einen Zusammenschluss mehrerer Bürgerlisten oder auch von Einzelpersonen wie dem EU-Parlamentarier Hans-Peter Martin oder dem Oberösterreicher Leo Steinbichler?

Dinkhauser: Ich sondiere gerade. Steinbichler ist ein ÖVP-Rebell wie ich, stimmt thematisch mit mir überein. Auch beim Treffen mit Martin wurde klar, dass wir uns inhaltlich decken. Allerdings muss auch die Chemie stimmen. Wenn man in der Politik zusammengeht, ist das wie eine Ehe. Es ist nicht wichtig, zu entscheiden, was man heute kocht, sondern ob man sich mag.

STANDARD: Mögen Sie sich nach dem Treffen in Innsbruck?

Dinkhauser: Ich habe Martin seit Jahren zum ersten Mal wiedergesehen. Ich habe zu ihm gesagt, dass es heißt, dass es mit ihm nicht immer einfach sei. Wir werden uns diese Woche noch einmal treffen und über die Zukunft reden. Wie das weitergehen könnte. Es muss geklärt werden, ob er in Brüssel bleibt oder in den Nationalrat geht, wie ein Wahlkampf finanziert werden würde .

STANDARD: Umfragen sagen Ihnen sechs Prozent voraus. Wird Fritz Dinkhauser bei so einem Erfolg in denNationalrat wechseln?

Dinkhauser: Ich stehe den Tirolern im Wort. Und den Freunden vomBürgerforum. Mit Fritz Gurgiser habe ich schon gesprochen. Wir sind uns einig, es muss Ordnung in Tirol geben. Aber immerhin war es Gurgiser, der mich dazu gebracht hat, die Bewegung österreichweit anzumelden. Also muss ich mir in den nächsten drei Wochen überlegen, wo ich den Tirolern mehr dienen kann. Ich werde sie aber auf jeden Fall befragen.

STANDARD: Ein erster Akt der direkten Demokratie? Wie wollen Sie die Tiroler dazu befragen?

Dinkhauser: Ich werde mit einemMeinungsforschungsinstitut reden und vielleicht eine Umfrage machen. Bei einer Fernsehumfrage haben von zehn befragten Tirolern neun gesagt, ich sollte nach Wien gehen. Das ist zwar nicht repräsentativ, zeigt aber eine Stimmung.

STANDARD: Das klingt alles sehr nach einer Kandidatur.

Dinkhauser: Ich will diesen Leuten keinen Korb geben. Andererseits darf ich mich selbst nicht überfordern. Außerdem möchte ich glaubwürdig bleiben. Die bundesweite Dimension ist eine andere als ein Antreten in Tirol, das es sicher geben wird. Ein bis zwei Mandate sind uns in Tirol ja sicher.

STANDARD: Warum tun Sie sich das an?

Dinkhauser: Mich motivieren die Menschen, ihre Unterstützung. Mein Herz sagt, ich soll kandidieren, aber der Kopf zögert noch. Jetzt muss ich erst alle Eindrücke verarbeiten. Ich sage erst dann Ja zu einer Kandidatur bei der Nationalratswahl, wenn ich Tirol treu bleiben kann und wenn es finanziell und personell machbar ist. (Verena Langegger/DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2008)

Zur Person
Fritz Dinkhauser (68) war mehr als 16 Jahre Tiroler Arbeiterkammer-Präsident. Das bekennende ÖVP-Mitglied erreichte mit seinem Bürgerforum bei der Tiroler Landtagswahl 18,3 Prozent. Ein Antreten bei der Nationalratswahl ist angedacht. Geklärt werden muss noch die Finanzierung.

Weiterlesen: Spindelegger legt Dinkhauser Parteiaustritt nahe

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der nächste Populist

aus der Altmännerriege, wieviel von diesen Leuten, die sich in schönen Reden ohne Inhalt ergehen, müssen wir noch ertragen ?

Ab nach Wien

und tschüss!

Aber die Geschichte lehrt: Nicht alles was nach Wien geschickt wird bleibt auch wirklich dort! Schade eigentlich! :-)

und nicht alles was nach wien geht ...

hat dort auch was verloren ... :)

wien sollte man...

...ab und an wegen ueberfuellung schliessen.

So "nett" der Dinkhauser auch sein mag...

... m.E. soll er in Tirol bleiben, dort ist er für seinen politischen Lebensabend gut aufgehoben. Auch HP Martin ist mangels politischer Co-Streiter und schwachen Programmes kein würdiger Gegner für die etablierten, aber ausgedienten Groß-Mttelparteien! Ich würde mir einen Rückzug der beiden Herren aus der Bundespolitik wünschen - ev. mit einer Wahlempfehlung für das LIF! Vielleicht kann man da auch personell noch Allianzen knüpfen. Jedenfalls eine Zersplitterung der Kontra-Kräfte gegen das derzeitige Parteien-System wäre das Schlimmste für die Chancen, die uns diese Herbstwahlen bieten!

- er ist halt ein strammer 68-er ( an Jahren ) und beginnt den Marsch durch die Institutionen.

Der AK-Abkassierer Dinkhauser würde gut zum EU-Abkassierer Martin passen !

Laß Herz & Hirn sprechen

auch ohne (vielleicht um so mehr) Martin wird er die nötige Anzahl an Stimmen erhalten. Es reicht..., wenn der Willi das sagt, dann muss das stimmen.

Mein Herz sagt ...

was sagt denn der Kardiologe ?

dummheit

wie dumm muss man sein eine liste mit martin anzudenken?!

gott sei dank kann man heuer lif wählen!

also nur andenken, bloss nicht zuendedenken. vielleicht abdanken. ;)

Je mehr, desto besser...

....wie im Supermarkt. Es gibt ja auch nicht nur eine Zahnpaste - sondern eine für jeden Geschmack. Wenn Sie Geschmack am liberalen Gedankengut haben (aber was ist wenn es ein neo-liberales ist?) dann auf. Und wem die Ideen von Fritz+Martin gefallen, der soll diese Gruppe wählen. Und wer die Kommunisten will, soll diese wählen. Je mehr, desto besser. Wird ein interessanter Wahlkampf und vielleicht ist was für Jeden dabei.

ja, auch fuer die ...

... die gar nix gut finden was da in dem pool rumkrebst ... denn was nutzen 8 verschiedene zahnpasten wenn man sich die schuhe putzen will ... :)

- wir haben Schuhcreme im Programm !

schleimiger kerl

sein herz sagt ihm gar nichts, sondern die partei tuts.

es würde mich nicht wundern, wenn dinkhauser von der ÖVP aufgestellt wurde um proteststimmen einzufangen, die sonst verloren gehen würde. am ende kommen die stimmen dann wieder zurück indem u.a auch mit dinkhauser koaliert wird.

die Bedenken kann ich nachvollziehen...

.....deshalb würde ich Dinkhauser auch nur wählen wenn er gemeinsame Sache mit Martin macht. Ich bin sicher, dass sich Martin nicht vereinnehmen und biegen lässt - der wird aufpassen....so schätze ich ihn ein und so verhält er sich ja auch bei der EU

Dinkhauser - 68 Jahre. Quasi der österreichische McCain

naaaa! bitte nicht noch ein wappler! prügelpezi und da hasso strache reichen doch schon...

herz an hirn

lass es bleiben!! ;-)

Ich glaub das verschallt im Leeren. Wortwörtlich! ;)

Zwei Seelen in der Brust

Beim Teamchef Hickersberger siegte der Verstand über das Herz als es um seinen Rücktritt ging.
Das war ein kurzer, aber heftiger Kampf, der Verstand (oder die Vernunft?) obsiegte.

Beim Herrn Dinkhauser ist noch alles offen:
Das Herz sagt derzeit ja, der Verstand ist vorläufig unentschlossen oder noch gar nicht involviert.

Das sind schon Entscheidungen, mein lieber Schwan………

"Zwei Seelen in der Brust"

Also der Dinkhauser als Alpenfaust,fürwahr eine kühne Vision.

der Populist kann mit 4- 6 % rechnen,bundesweit.

-und mit 1 - 2 Mandate im hl. Land.na super.

ich denke die vorraussage ist falsch

Der im schwarzen Tirol zum AK-Präsidenten gewählte Dinkhauser

schafft dort auf Anhieb 18% und ist in Tirol dennoch politisch tot, da nicht einmal im Landtag.

Wenn nun Dinkhauser, mit wem auch immer versucht, in den Nationalrat zu kommen, ist das doch der Beweis dafür, dass sich dieser Polterer weder für Tirol, noch für Österreich interessiert, sondern nur für sein Ego. Denn läge ihm Tirol wirklich am Herzen, würde er nicht danach trachten, seinen Arbeitsplatz nach Wien zu verlegen.

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