Justiz prüft fatalen Extremberglauf

15. Juli 2008, 12:02
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Nach dem Tod zweier Sportler prüft deutsche Staatsanwaltschaft, ob fahrlässige Tötung durch den Veranstalter des Rennens vorliegt

München - 16,1 Kilometer, bei denen 1924 Höhenmeter überwunden werden müssen: Der "Zugspitz Extremberglauf" wäre für Untrainierte wohl in jedem Fall mörderisch. Ein plötzlicher Wetterumschwung kostet aber auch leistungsstärkere Sportler das Leben. Zwei Deutsche, 41 und 45 Jahre alt, starben am Sonntagvormittag kurz vor dem Ziel wahrscheinlich an Erschöpfung und Unterkühlung. Sechs weitere Teilnehmer mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Gegen 9.00 Uhr nahm das fatale Rennen im Tiroler Ort Ehrwald seinen Ausgang. Rund 600 Läufer begannen den zum achten Mal ausgetragene Lauf auf den mit 2962 Metern höchsten Berg Deutschlands. 193 Menschen, davon zehn Frauen, schafften es ins Ziel.

Was den beiden Opfern nicht mehr gelang. Einer der beiden brach 150 Höhenmeter unter dem Gipfel zusammen, der Zweite starb im Bereich der Verpflegungsstation Sonnalpin, 350 Höhenmeter vom Ziel entfernt. Notärzte und Mitglieder der Bergwacht versuchten vergeblich, die beiden zu reanimieren.

Die Staatsanwaltschaft München II interessiert sich nun für die Todesfälle - und die mögliche Verantwortung des Veranstalters. "Beide Leichen werden in jedem Fall obduziert", erklärt Rüdiger Hödl, der Chef der Behörde, im Gespräch mit dem Standard. "Derzeit sind wir einmal dabei, die Fakten zu sammeln, ob es überhaupt zu einer offiziellen Untersuchung kommt, steht noch nicht fest - falls doch, steht der Verdacht der fahrlässigen Tötung im Raum."

Entscheidend wird dabei die Frage sein, ob und wann die Schlechtwetterprognose bekannt geworden ist, wann das Rennen abgebrochen wurde und ob und wie die Läufer davon informiert worden sind.

Der Inhaber der Firma "getgoing" in Garmisch-Partenkirchen darf auf Anordnung der Staatsanwaltschaft am Montag am Telefon nicht mit Medien über die Vorfälle sprechen. Gegenüber dem Münchner Merkur hatte er sich am Sonntag noch verteidigt, dass im Vorjahr viele Sportler protestiert hätten, als der Extremberglauf wegen schlechten Wetters abgebrochen worden war. Damals kam keiner der Läufer zu Schaden.

Warnungen hat es bereits im Vorfeld des heurigen Laufs gegeben. Helmut Reitmeir, der vierfache Zugspitzlauf-Sieger, hat auf seiner Homepage bereits am 10. Juli, also drei Tage vor dem fatalen Rennen, auf Probleme hingewiesen. Auf den Schneefeldern oberhalb der Knorrhütte, der vorletzten Verpflegungsstation, könnten sich Läufer bei Nebel leicht verirren, da der Veranstalter die Strecke nicht markiert habe.

Keine Bergerfahrung

Außerdem hätten viele Läufer keine Bergerfahrung und würden sich überschätzen, ist Reitmeir überzeugt. Tatsächlich ist die einzige Bedingung für die Teilnahme am Zugspitzlauf ein Alter von 18 Jahren. Ausrüstungs- oder Bekleidungsvorschriften gibt es ebenso wenig.

Geklärt werden muss aber zunächst die Todesursache. Die Witterung selbst müsse nicht unbedingt der Auslöser der Katastrophe gewesen sein, sagt der Grazer Alpinmediziner Wolfgang Domej im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Aber die Überforderung könne mit einer Herz-Kreislauf-Schwäche enden. Möglich wäre auch, dass bei Betroffenen eine sonst unbemerkt gebliebene Herzmuskelentzündung zum Tod führt. (Michael Möseneder; DER STANDARD Printausgabe 15. Juli 2008)

  • Helfer der Bergwacht stützen einen völlig erschöpften Aktiven.
    foto: apa/dpa/meier

    Helfer der Bergwacht stützen einen völlig erschöpften Aktiven.

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