Auf die Kleinen kommt es an

Die Wahl 2008 kann zu einer völlig neu strukturierten Parteienlandschaft führen

Dieser Wahlkampf kann spannend werden: Rebellen wie Fritz Dinkhauser oder Politneulinge wie der Schauspieler Karlheinz Hackl haben das Potenzial, in den nächsten Wochen für frischen Wind zu sorgen. Sollte sich das Liberale Forum zu einer Kandidatur entschließen und auch noch einen attraktiven Spitzenkandidaten finden, bewirkt das zusätzliche Dynamik.

Treten noch die Ärzte an und kann sich eine Linke formieren, so bringt das nicht nur Farbe in die festgefahrene Parteienlandschaft - diese wahlwerbenden Gruppierungen haben die Chance, all jene zur Stimmabgabe zu bewegen, die sich in den vergangenen Monaten angesichts des Dauerstreits vom politischen Geschehen abgewandt haben. Sie können genügend Mobilisierungskraft generieren und sich als wählbare Alternative entwickeln. Dinkhauser hat in Tirol gezeigt, dass er frustrierte ehemalige Nichtwähler wieder an die Urne bringen kann.

Allerdings ist die Zeit bis zum Urnengang für Dinkhauser und Co. knapp. Der Tiroler macht jedoch rasch Fortschritte, in ihren Regionen bekannte Personen wie den früheren burgenländischen FPÖ-Chef Wolfgang Rauter oder den oberösterreichischen Bauernvertreter Leo Steinbichler für seine Liste zu gewinnen. Es ist auch ein kluger Schachzug, wenn Dinkhauser in der Steiermark Gerhard Hirschmann umwirbt, der wie er selbst den Ruf eines VP-Rebellen genießt. Hirschmann ist bei der Landtagswahl 2005 in der Steiermark bereits mit einer Namensliste angetreten.

Für kleine Parteien ist nur diese Strategie erfolgversprechend: mangels Programm und Werbemittel auf Personen zu setzen. Das funktioniert von der kommunalen Ebene - siehe das auf Erich Kaltenegger zurückzuführende 6,33-Prozent-Ergebnis in Graz für die KPÖ 2005 - bis zur Bundespolitik. Deshalb kommt es beim Liberalen Forum darauf an, wen die Proponenten zur Spitzenkandidatur bewegen können: ob es eine Person ist, die für einen größeren Wählerkreis attraktiv ist und genügend Zugkraft hat. Das trifft nicht auf Alexander Zach zu.

Hans-Peter Martin hat wiederum damit zu kämpfen, dass Hans Dichands Kronen Zeitung wohl eher Werner Faymann und dessen neue kritische EU-Linie unterstützt.

Die FPÖ dagegen hat sich bisher als Sammelbecken der Unzufriedenen präsentiert, deren Repräsentanten gar nichts tun müssen, um auf Stimmenfang zu gehen. Das besorgen schon die beiden Koalitionäre. Dem BZÖ reicht ohnehin ein Grundmandat in Kärnten für den Wiedereinzug in den Nationalrat.

Die Grünen haben die vergangenen eineinhalb Jahre nicht genutzt, um sich als Alternative mit praktikablen Lösungsvorschlägen zu empfehlen. Mit ihrem Spitzenkandidaten Alexander Van der Bellen kommen sie genauso alt daher wie SPÖ und ÖVP.

Wie viele kleine Parteien kandidieren und welche Spitzenkandidaten sie aufbieten, ist entscheidend für den Wahlausgang und die Koalitionsbildung. Kleinere Gruppierungen können allen etablierten Parteien Stimmen wegnehmen. Sollten zehn Parteien antreten, kommen laut Umfragen ÖVP und SPÖ nur noch auf knapp über 20 Prozent. Der Begriff Volkspartei wäre obsolet.

Die Chancen für kleinere Parteien sind durchaus gegeben, denn derzeit sind die meisten Österreicher noch unentschlossen, wen sie wählen wollen. Je mehr ins Parlament einziehen, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich - vor allem für Drei-Parteien-Koalitionen: Die Wahl 2008 kann damit zu einer völlig neu strukturierten Parteienlandschaft in Österreich führen. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2008)

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Die kleinen haben wieder eine Chance ....

.... sie heisst LISTE FRITZ und bringt frischen Wind aus Tirol nach ganz Österreich. Fritz Dinkhauser hat in seinen Reihen Leute, die es durchaus mit anderen Rezepten als mit Hire und Fire zu Erfolg gebracht haben und jetzt mitwirken wollen, dass Österreich wieder NEU wird. Eine Über-Lebens-Chance in einer veränderten Welt in der in Zukunft nicht mehr die Verursacher diverser Übel und Notstände sich in zeitlichem Abstand dann wieder als "Retter" präsentieren und mit alten Rezepten alte Leiden kurieren wollen, die anders betrachtet auch anders gelöst werden können, wenn der Österreicher noch dazu gebracht werden kann, wieder einmal Vertrauen zu spenden ..... Siehe dies und anderes:
http://www.youtube.com/watch?v=6VDQxGYtyy0

Da ist der Wunsch Vater des Gedankens.

Die Obrigkeits-Hörigkeit des Durchnittsösterreichers ist viel zu ausgeprägt...

Auf die Kleinen kommt es an

Ich habe Schüssel schon satt.

Vielfalt an Parteien

Die von Frau Föderl-Schmidt so gepriesene Vielfalt an Parteien wird nur zu italienischen Verhältnissen führen.

Und wie wir dort seit Jahren sehen, ist das eher ein Chaos denn ein Segen.

in schweden und norwegen sitzen je 7 parteien im parlament, in dänemark und finnland je 8 und in holland gar 10. alle diese länder werden zu den stabilsten demokratien der welt gezählt. es gibt also genug beispiele mit funktionierenden viel-parteien-parlamenten.

Italienische Verhaeltnisse!

Genau, und dann spielen auch wir "En attendant Berlusconi" Horribile dictu!

Die Wahl 2008,

kann zu italienischen Verhältnissen führen. Keine Partei ist für sich stark genug den Kanzler zu stellen, sondern der Koalition aus stärkeren Parteien stellt den Kanzler, als eine durchgehende Kompromißlandschaft. Und gerade bei uns ist schon bei "normalen" Verhältnissen eine Tendenz zur Anarchhie feststellbar was erst dann? Ich sehe uns auf einem schlechten Weg. Österreich sollte sich die Weimarer Republik als Beispiel nehmen, wie es nicht gemacht wird. Doch wir in unserem Selbstzerstörungstrieb, haben aus der Geschichte nichts gerlernt. Der Politologen-Lehrsatz, dass die Summe der Einzelinteressen nicht das Allgemeinwohl, sondern das Chaos ist, gilt nach wie vor. UND GANZ BESONDERS BEI UNS!

gut recherchiert!

die kpö hatte auf kommunaler ebene bei der wahl 2003 21%, und 2008 11%. hier ist wohl die wahl zum landtag gemeint, und da kam die KP mit kaltenegger auf 6,34%, und ist damit die drittstärkste partei in der steiermark. also in zukunft bisschen besser recherchieren....

Der Spitzenkandidat der KPÖ heisst ausserdem Ernest, nicht Erich Kaltenegger.

"Die Wahl 2008

kann damit zu einer völlig neu strukturierten Parteienlandschaft in Österreich führen." Da hilft der vp wohl nur noch eine, ja richtig, PERSPEKTIVENKOMMISSION1

das ist die chance des jahrhunderts

denn wenn nun alle nichtwaehler und die frustrierten die neuen gruppen waehlen, na dann koennen 60 % der alten abgeordneten in die pension gehen "duerfen" und damit kommen endlich die probleme der normalen oesterreicher im parlament zur sprache und es kommt nun zum neuen oesterreich.

abgesehen vom dinkhauser

hat keine gruppierung den hauch iener chance, und selbst der dinkhauser wird überschätzt genauso wie hpm vor 2 jahren der es dann auch nicht geschafft hat

wie siehts mit partei3.net aus?

ist ein spannendes projekt!

was ist daran spannend? ausserdem, glaube ich, so wie es bis jetzt aufgezogen ist, schauts eher nach rohrkrepierer aus.

Es sollte nicht vergessen werden, dass HPM unmittelbar vor den Wahlen 2006 gezielt kaputt gemacht wurde und dessen Umfragewerte daraufhin gesunken sind.

Die Vorwürfe der Veruntreuung sind mittlerweile alle von Tisch, aber diese Agression die ihm entgegenflammte zeigt deutlich auf, dass man in höheren Ebenen Angst vor ihm hatte.

Warum hätte man Ihn sonst mit haltlosen Vorwürfen attackiert? Das Timing seiner Nicht-Freunde war halt schon sehr ausschlaggebend für das "nicht schaffen".

Man kann es dem Wähler nicht übel nehmen... wenn man schlechtes gehört hat, müsste man sich mit etwas auseinander setzen und weiterverfolgen um es zu widerlegen. Diese Mühe lastet sich fast kein Wähler an, deswegen ändert sich auch nichts.

nicht in österreich

die parteien können aufführen was sie wollen, das wahlverhalten wird sich hier einfach nicht ändern.

95% der wähler sind nunmal SPÖ oder ÖVP wähler.
und je nach frustrationsgrad wandern ein paar davon zu grüne oder FPÖ um "ihrer" partei eins auszuwischen.
diesmal werdens halt mal wieder etwas mehr FPÖ stimmen sein, was wahrscheinlich dazu führt dass die ÖVP mal wieder ihr wort bricht und es einen vizekanzler strache geben wird.
für schwarz-grün wird es nicht reichen, weil die grünen in den letzten 1,5 jahren geschlafen haben.

kleinvieh wie martin, dinkhauser, kpö oder lif wird zwar vor jeder wahl von den medien zwanghaft in die höhe theoretisiert, am wahltag knallen sie dann aber wieder auf den boden der realität.

Fast sauber analysiert....

doch beim Brechen von Wahlzusagen stehen sich die beiden Volksparteien in nichts nach. Doch die Zersplitterung der Parteienlandschaft führt noch zu einem noch mehr Zersplittern der Wählerstimmen. Die Menge der Wechselwähler wird sich noch steigern. Viele werden zur Partei der Nichtwähler abwandern. Helfen kann nur ein Wahlrecht á la GB oder eine Verfassungsänderung die das Quorum erhöht. Alles nicht blühende Beispiele für eine gefestigte Demokratie - doch weniger schlimm als der worst case.

Auf die Kleinen kommt es an..



Geh, bitte, laßt´s doch den Pühringer in Ruh.

Der kämpft sowieso mit seiner im jetzt drastisch vor Augen geführten eigenen Unwichtigkeit auf Bundesebene.

Keiner fragt ihn....und das tut ihm so weh..

Das Schreckgespenst einer Koalition aus, sagen wir, ...

... SPÖ, BZÖ und Hans Peter Martin ist meines Erachtens ein ganz starkes Argument für ein Mehrheitswahlrecht.

Mehrheitswahlrecht ?

also wenn wir nur an die usa und die bush "wahl" denken, muss man nein sagen zu mehrheitswahlrecht. ausserdem wird das system die mehrheit der oesterreicher nie verstehen.

ja, sie haben soooooo recht...


was genau würde das ändern...?

ach so, ja, eine partei mit 20% könnte über alle anderen drüberfahren...

na, nicht schlecht, mit 20% sind wir fast bei der aristokratie die wir wollen... aso... nein, wir wollen ja was anderes, wie hat das nochmal geheissen... irgendwas mit demographie oderso...

bei aller liebe..

.. aber ERICH kaltenegger sagt mir jetzt nix.

Mal abgesehen davon, dass die 6,33% nicht in Graz sondern in der gesamten Steiermark verwirklicht wurden.

Sehr geehrte Frau Alexandra Föderl-Schmid,

ich möchte mich ganz herzlich für Ihren Beitrag bedanken. Ein Beitrag für eine vielfältige Demokratie in Österreich, danke! Der Kommentar von Herrn Fleischhacker heute dagegen, lässt sein Verständnis für Demokratie stark anzweifeln.

Das wird den Strache aber freuen

wenn sie hier den Wärmetod der linken Reichshälfte propagieren.
Den Linken bleibt die nutzlose Entropie (= heisse Luft),mit der sie sich dann aus verschiedenen Rohren gegenseitig anblasen können
den Rechten bleibt die Enthalpie zur Gestaltung ihrer Ideen

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