Winnetou war da

Redaktion, 14. Juli 2008, 15:57
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    Die Prärie, wie sie viele aus den Winnetou-Filmen der 1960er Jahre kennen, ist um einiges näher und auch ohne Flugzeug gut zu erreichen. Im Hinterland der kroatischen Küstenstadt Zadar ist der Wilde Westen zuhause.

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    Ob es tatsächlich einen Schatz im Silbersee gegeben hat, wissen wir nicht. Jedenfalls heißt der Silbersee in seinem echten Leben Kaluderovac und ist im Nationalpark Plitvicer Seen zu finden.

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    Die Winnetou-Convention 2007 lockte Fans aus Deutschland, Österreich, Tschechien und den Niederlanden an die ehemaligen Drehorte in Kroatien.

Auf der Suche nach dem perfekten Wilden Westen verschlug es die Filmcrew der 1960er Jahre in den Wilden Südosten. Heute trifft man Cowboys und Indianer aber nur mehr selten

"Nun sehen wir sie endlich von Angesicht zu Angesicht – die schon fast legendären Blutsbrüder Old Shatterhand und Winnetou … Mit ihnen durchqueren wir die Höhen und Tiefen des gewaltigen Felsengebirges, mit ihnen reiten wir über die endlosen Weiten der amerikanischen Prärien, …" So beginnt "Der Schatz im Silbersee": Die beiden Helden reiten über ein Plateau, im Hintergrund die Prärie. Bekanntlich ist aber nicht alles Gold was glänzt, und in diesem Fall ist der Silbersee auch recht weit entfernt von den USA.

Zu finden ist der See mit oder ohne Schatz nämlich in Kroatien. Gute 100 Kilometer entfernt liegt auch die Westernstadt Tulsa, der Geister-Canyon und der Rio Pecos oder zumindest jene Bilder, die mit den Winnetou-Filmen verbunden sind und Kindheitserinnerungen oder das Fernweh wecken. Karl May, der geistige Vater von Winnetou, Old Shatterhand und ihren Freunden und Feinden, hat Kroatien wohl nie besucht. Aber schließlich hat er auch den echten Wilden Westen erst als Tourist in gehobenem Alter gesehen.

Als Anfang der 1960er Jahre erste Ideen zu einer erneuten Verfilmung der unsterblichen Karl-May-Geschichten aufkamen, war man auf der Suche nach geeigneten Drehorten. Was her musste, war eine Landschaft, die man gut und gerne als Präirie verkaufen konnte. Wild, ungezähmt, weit, das was sich Mitteleuropäer eben so unter dem Wilden Westen vorstellen. Fündig wurde man schließlich im Wilden Südosten. Filmproduzent Horst Wendtland verlegte Amerika kurzerhand in das kommunistische Jugoslawien. Was die Politik davon hielt, ist nicht überliefert. Jedenfalls begann so die jahrelang erfolgreiche Zusammenarbeit der deutschen Rialto Film mit der jugoslawischen (heute kroatischen) Jadran Film.

Als Drehorte für den "Schatz im Silbersee" wurden neben den Nationalparks Plitvicer Seen und Paklenica unter anderem auch ein Canyon nahe der Küste bei Starigrad/Paklenica gewählt. Unendliche Weiten, Wald und Wiese, dazwischen Karst, der unwirklich aus dem Boden ragt. Und irgendwo in weiter Ferne erahnt man das Meer, hinter dem Velebit-Gebirge. Was für die Filmemacher der 1960er die perfekte Kulisse für die Abenteuer des Häuptlings der Apachen und seines Blutsbruders Old Shatterhand war, ist auch heute noch eine beeindruckende Landschaft.

Die Wasserfälle von Slunj

Auf dem Weg von Karlovac Richtung Plitvicer Seen wandelt man schon knapp 35 Kilometer vor dem Nationalpark auf den Spuren eines anderen Literaten. In Slunj teilt sich die Slunjcica in viele kleinere Flussarme und rauscht geräuschintensiv über zahlreiche Kaskaden und kleinere Wasserfälle in die Korana. Alte Wassermühlen sind Zeugen einer lange vergangenen Ära der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Blüte. Heimito von Doderer setzte dem Naturschauspiel in seinem Spätwerk "Die Wasserfälle von Slunj" ein literarisches Denkmal. Aber auch hier kommt man nicht an Karl May vorbei. Interessanterweise findet man in Mitten einer Wiese einen Marterpfahl, angeblich ein Originalrequisit der Winnetou-Dreharbeiten aus dem 1960er Jahren. Ein Original-Drehort war es auf alle Fälle nicht.

Als weitere "Original-Requisiten" der Filme gelten wohl die Drehorte und Landschaften selbst. Der Silbersee befindet sich auch heute noch im Nationalpark Plitvicer Seen. Unweit der Grenze zu Bosnien-Herzegowina erstreckt sich das knapp 30.000 Hektar große Gebiet. Charakteristisch sind nicht nur das glasklare, türkisfarbene Wasser der Seen, sondern auch die unzähligen Wasserfälle. Fast terrassenförmig angeordnet, ergießt sich ein Gewässer in das nächste. Plankenstege und Wanderwege führen die Besucher an den Rändern und quer über die Seen durch den Nationalpark.

Touristen auf Tagesausflügen, kroatische Schulklassen und die üblichen Busladungen voll Menschen unterschiedlicher Nationalitäten bevölkern die schmalen Holzstege und Wege im Nationalpark. Autos sind verboten, und müssen auf umliegenden Parkplätzen auf ihre Besitzer warten. Busse und Boote sind die einzigen erlaubten Transportmittel (außer den jeweils eigenen zwei Beinen).

Kurzerhand kürten die Filmschaffenden den Kaluderovac See zum weltberühmten Silbersee. Einer Legende nach stammt der reale Name des Sees vom kroatischen Wort für Mönch ab. Ein solcher soll einst in der Höhle über dem See gehaust haben soll. Womöglich war es jene Höhle, die für den "Schatz im Silbersee" auch als Unterschlupf der Schatzjäger diente. Nicht zuletzt für die doch immer wiederkehrenden Winnetou-Fans ist sie über steile Steinstufen zugänglich, und erlaubt den selben Blick auf den Silbersee, wie ihn einst der Kameramann haben musste. Nach dem Schatz tauchen darf man freilich nicht.

Winnetourismus

Aber die Drehorte beschränken sich nicht nur auf den Nationalpark Plitvicer Seen. Rund 120 Kilometer südwestlich, in Steinwurfnähe der Adria kommt immer wieder das Gefühl auf, mitten in der Kulisse zu Winnetou Reloaded gefangen zu sein. An den Kalksteinformationen hat das Rad der Zeit kaum gedreht. Der Zrmanja-Canyon bei Obrovac diente beispielsweise als "Tal der Toten" und kommt auch in zahlreichen der Verfilmungen als Kulisse vor. Die Banditen kommen mit ihren Geiseln auf dem Weg zum Silbersee ebenfalls an der Zrmanja vorbei. Heute ist der Fluss, den die Apachen Rio Pecos nannten, ein Eldorado für Rafting- und Freeclimbing-Fans.

Ganz in der Nähe baute ein Wiener bei der Stadt Obrovac ein Winnetoudorf auf. "Ich bin Winnetou-Fan von Kindheit an. Unweit von hier wurde ich geboren, bin aber schon seit 40 Jahren in Wien. Ich wollte das Dorf hier aufbauen, um einerseits an die großartigen Filme zu erinnern, aber auch auf die Schönheit dieser Landschaft aufmerksam machen", erklärt Hajduk Mrdalj. Schlafen in Tipis und Ponyreiten gehören hier zum täglichen Indianerleben, genauso wie Fantreffen. Derzeit laufen auch die Vorbereitungen für die 1. Winnetou-Festspiele in Kroatien auf Hochtouren.

Selbstverständlich ist die "Winnetou-Mania" nicht gänzlich spurlos an den Tourismusverantwortlichen des Landes vorübergegangen. Versuche, eine Art "Winnetoursimus" als Marke zu etablieren gibt es schon seit einigen Jahren. Gerade seitens der Ur-Fans kommen natürlich die üblichen "Ausverkauf"- und "Kommerz"-Rufe, aber das Kriegsbeil wird über kurz oder lang wohl begraben werden. Schon seit Jahrzehnten reisen schließlich Fans, alleine oder in Gruppen, in die Gegend und suchen akribisch nach Drehorten, Einstellungswinkeln und Steinformationen. Selbstgedrehte Fanfilme gehören ebenfalls zum Programm. Auch dem Ruf zu einer Winnetou-Convention im vergangenen Jahr folgten viele. Und: Winnetous Herz war froh, seine Freunde wieder zu sehen! (Daniela Rom, derStandard.at, 11.7.2008)

Kommentar posten
10 Postings
Chanel3
01
15.7.2008, 18:34
Und jetzt kurz in die Realität der Winnetous..

In Wirklichkeit liegt das Mescalero-Reservat in New Mexico sehr hoch, da geht's bis über 3000m, schaut aber wegen des Breitengrads trotzdem aus wie die Steiermark.

Der Rio Pecos mäandert etwas entfernt davon fad in einer Ebene herum, nur im N von NM ist er in felsiger Umgebung, aber das wären 500km und mehr von den Mescaleros und auch von Roswell entfernt.

Und übrigens gibt's im Reservat neben einem extrem scheusslichen riesigen Kasino auch ein kleines Skigebiet.

Aber leider keinen sanften Tourismus.

Mit deutschen Winnetou-Fans verdienen sie nichts, was mich eh etwas wundert, denn irgendwelche deutsche Touristen haben ihnen doch sicher schon vom Bekanntheitsgrad der Mescalero-Apatschen bei uns erzählt.

Joe Dalton
00
15.7.2008, 13:07

Wie kamen eigentlich die Apachen nach Jugoslawien?

exabyterra
00
15.7.2008, 18:50
joe dalton

mit dem pony express?

borake
00
15.7.2008, 08:07

ich mag da hin und nachher gleich ans meer!!!!!!!!!!

Naja..
 
00
29.7.2008, 10:16

Ich würde mir mindestens 1 ganzen Tag - ist aber auch knapp - für dieses Gebiet freihalten.... Wasserabläufe durch Wurzelstöcke, große u. kleine Wasserfälle, Fische die neben den angelegten Stegen schwimmen.... und du gehst auf tollen Holsstegen. Kamera nicht vergessen!!!!!

jimbob walton
00
15.7.2008, 10:37

ich war voriges jahr an den plitvicer seen und es war wirklich sehr schön. sie müssen sich aber auf horden von menschen vorbereiten, was inmitten der schönen natur natürlich ein wenig störend ist.

slunj haben wir auch noch besucht und es ist das gegenteil: kaum menschen zu sehen und eine bizarre lokalität. der ort selbst wie auch die wasserfälle dürften in vergessenheit geraten sein, lediglich literatur-affine menschen können mit slunj noch etwas anfangen - die doderer lektüre empfehle ich ihnen übrigens wärmstens.

borake
00
15.7.2008, 11:11

vielen dank für den tip! :-)

Misko
 
00
15.7.2008, 09:20

Auch so urlaubsreif wie ich?

borake
00
15.7.2008, 10:27

und wie, obwohl ich grad von der makarska riviera komme :-)

rene prassee
00
14.7.2008, 20:03
die 60er-jahre, ihr kommt nicht wieder ...

leider & gott sei dank ....

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